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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 310 LAND- UND STADTLEBEN sehenverbundene– SpektrumbeginntbeiVerkäufernundVerkäuferinnenvonLebens- mittelnundHaushaltswaren,aberauchTextilienundWarendesgehobenenGebrauchs: Salami- oder Zwiebelverkäufer, Brezelbuben, Hendlkramer, Froschhändler, Eierweiber, TeppichhändleroderBarometerverkäufer.DanebengabesambulanteHandwerkerund Tagelöhner wie Scherenschleifer oder Wasserträger; Unterhaltung boten Guckkasten- und Leierkastenmänner, Gaukler und Musikanten. Schließlich kamen als sozial am tiefsten stehende Gruppe die Trödler, Aschenmänner und Lumpensammler. Sie alle versuchten, ihre Waren und Dienstleistungen auf der Straße unter Verwendung ent- sprechender– dialektaler– RufeundGesängeanzubringen.106 Trotz ihrerprominenten und wirtschaftlich relevanten Rolle blieben diese Krämer und Händler häu g gesell- schaftlich fragwürdig und wurden oft in die Nähe krimineller oder devianter Personen gerückt.107 Vor allem wurde der Straßenhandel selbst über die Jahrhunderte immer wieder Gegenstand von Verboten und Auseinandersetzungen. Gegen umherziehende Händler und Händlerinnen, so hält etwa Brückner fest, gab es im gesamten deutschen Gebiet im 17. und 18. Jahrhundert „ die immer wieder gleichen, weil nicht befolgten, ja nicht befolgbaren Mandate, Circulare, Rescripte, Patente, Edicte“ ,108 die solchen ‚ unbe- fugten` Handel jedochnichteinschränkenkonnten.MiteigenenBerechtigungsscheinen wurde teilweiseversucht, Teile desStraßenhandels zu erlauben undgleichzeitig zu kon- trollieren.109 Vor dem Hintergrund dieses lebhaften Kleinhandels, der das Straßenbild prägte,undnichtzuletztderKonkurrenzsituationmitsesshaftenHändlernbekamendie KaufrufederTandler,StraßenhändlerinnenundStandelbetreiberbesondereBedeutung und können als „ Frühform der Produkt- und Dienstleistungswerbung in einer weitge- hend analphabetischen Gesellschaft“ 110 gesehen werden. Dabei hatte die Vielfalt dieser RufenichtnureinewirtschaftlicheFunktion,sondernauchästhetischeQualitäten,diein verschiedenenanderenKontextenaufgegriffenwurdenund,wieschonDeutschhervor- DiskursderAufklärung. In:W.B.:VolkskundealshistorischeKulturwissenschaft.GesammelteSchriften. Bd.14:NachträgeII.Würzburg:Bayer.Blätter fürVolkskunde2010. (VeröffentlichungenzurVolkskunde undKulturgeschichte88/3)S.229– 243,hier237– 239. 106 Vgl.FelixCzeike:HistorischesLexikonWien.Bd.3.Wien:Kremeieru.Scheriau1994,S.484f.– Gertraud Schaller-Pressler: Volksmusik und Volkslied in Wien. In: Elisabeth Theresia Fritz/Helmut Kretschmer (Hg.): Wien, Musikgeschichte: Volksmusik und Wienerlied: Teil 1. Wien: LIT 2006, S.3– 147, hier 11. Im 19.JahrhundertbegannimZugederIndustrialisierungderStraßenhandel indieserFormunddamitauch derKaufrufzuverschwinden;einzelneRufe– wiederderLavendelfrauoderdesLumpensammlers– blie- benaberbisindie30er-Jahredes20.Jahrhundertserhalten,wieKliernachweist(vgl.KarlM.Klier:Kleine Volkslied-Studien. I.Alt-WienerKaufrufe. In:DasdeutscheVolkslied38(1936),S.64– 65,hier64). 107 Vgl.Breuss,Kreebs'nundLimonien,S.153. 108 Wolfgang Brückner: Die Kolportage im Wirtschaftssystem der Protoindustrialisierung. In: Brückner, VolkskundealshistorischeKulturwissenschaft,S.244– 255,hier236. 109 FürWienberichtetDeutschvonVerordnungenim17.und18.Jahrhundert,diedenWirkungsbereichvon „ befugten Tändlern“ festlegten und im Gegenzug ‚ unbefugten` Handel – unter Androhung der Kon szie- rung sämtlicher Waren – verboten. Dies blieb aber offenbar weitgehend wirkungslos, wie die zahlreich überlieferten Klagen dagegen zeigen. Daneben gab es in Wien aber auch teilweise Sonderregelungen, durchdiekleinere„ Krämereien“ und„ Ständchen“ mitbesonderenBefugnissen– demsogenannten„ Hüt- ten-Schein“ – betrieben werden durften und so den Straßenhandel belebten (vgl. Walter Deutsch: Ein ‚ Wienerischer Tändelmarkt` von 1803 und seine Vorbilder im Wien des XVII. und XVIII. Jahrhunderts. In: JahrbuchdesösterreichischenVolksliedwerkes14(1965),S.30– 48,hier30– 32). 110 Rapp,WienerTypen,hierS.143.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800