Seite - 312 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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312 LAND- UND STADTLEBEN
2
SaursKrautWeyber,huiRiebigskraut,
schreyendievonLechhaussen,ammorgenvberlaut,
SuesseMillich,Butterschmaltz,SawreMillich,auch,
machtmancheng
utenGesellen,denHagel indenBauch.
3
HammermillichvndBlaichermillich,diehatmangar fürg
ut,
kansichofftbegeben,dasmandarumbreissenth
ut,
SauriSenpffSurSuraschreytmanauch,
dieB
ubenmitgrossemgeschrey, lauffendemselbennach.
[...]
6
Boesen,boeseWeiber, ist einwarhafftigsgschrey,
weylmanderselben inndiserStatt, ndet somancherley,
Ofengabeln,Stützen,Stangengroßvnndklein,
vnndbeydergleichenWahren,muessenauchLeütternsein.114
2,1 Riebigskraut] zerriebene und gesäuerte weiße Rüben 2,2 Lechhaussen] Lechhausen: heute Stadtteil im
NordostenAugsburgs,damalsDorfamrechtenLechufer2,4Hagel](metaphorischfür)Unbehagen,Rumoren
3,1 HammermillichvndBlaichermillich]wohlnachÖrtlichkeitenbenannteMilch3,3 Sur]Salzlösung
Noch stärker im Mittelpunkt stehen in einem Ende des 18. Jahrhunderts gedruckten,
aber vermutlich bis zumindest in die Mitte des Jahrhunderts zurückreichenden Lied115
die (ostmittelbairischen) Kaufrufe, die nun ganz ohne rahmende Strophen aneinander-
gereiht sind, um das lebhafte Durcheinander an Rufen und Gesängen auf der Straße
nachzubilden.
1
Zunterstain,Zunterstain,
WeiberkäftsBesenein,
habtsdennkäGeld,
will enk imSackhineinthän,
daßseyndgutZunterstän,
Leibstückl,Hasenbälk,Flederwisch,
heuraths fein frisch. 2
Hädenbrein,gelbenBrein,
käftsGriesundArbesein,
Jungfraunkommtsall zumir,
gibswohlfeilheut,
machtseuerKörbelauf,
heut treftseingutenKauf,
Hädenbrein,gelbenBrein, feinGries,
Mundmehl,
heuraths feinschnell.
114 Zwey Kurtzweylige Weltliche Lieder. Das Erste: Von drey Weybern, Wie sie einem Holtzhacker sein Agst
versoffen haben. Im Thon: Wie man den den Kümmichköhrer singt. Das Ander: Von allerley Wahren,
so man zu Augspurg inn allen Gassen herumbher schreyet. Im Thon: Wie man den Rolande singt, etc.
[Augsburg,um1620].
115 Eine verwandte Form ist in der um 1740 entstandenen schwäbischen Ostracher Liederhandschrift über-
liefert(Nr.3, schwebel-holz, schwebelholz),vgl.MichaelGerhardKaufmann(Hg.):OstracherLiederhand-
schrift. Kommentiert und mit einem musizierpraktischen Teil versehen. Konstanz/Eggingen: Isele 2006.
(Bibliotheca suevica 19) S.23f. Kurt Rattay: Die Ostracher Liederhandschrift und ihre Stellung in der
Geschichte des deutschen Liedes. Auf Grund der handschriftlichen Liedersammlungen des XVII. und
XVIII. Jahrhundertsuntersucht.Hallea.S.:Karras1911,S.60f.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen