Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 317 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 317 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Bild der Seite - 317 -

Bild der Seite - 317 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Text der Seite - 317 -

KAUFRUFE 317 Stams, indemdietypischenFigurendesKaufrufsdurchzusätzlicheLustspiel gurender Zeitergänztwerden.128 In die Anfangszeit der künstlerischen Kaufrufrezeption in Wien weisen zahlreiche TexteausdenobenerwähntenTeutscheArien-Sammelbänden,die– soweitersichtlich– mitderHandlungderKärntnertortheaterstückeoftnursehr loseverknüpftsind.Sotritt Colombina in der Komödie Die verhexte Apothecken. Oder Hanns Wurst, der lebendig anatomirte Cadaver als Tiroler Bauchladenkrämerin auf und intoniert zu Beginn ihrer GesangseinlageeinenKaufruf: 1 GehtsKaufftsvonBandlenwas! GehtsKaufftsvonZwirenwas! Alles istpreiß, GehtsKaufftsmirPortenab, GehtsKaufftsmirSpitzl ab, Eh' ichszerreiß; Tumeltsenck,gebtsmirGeld, Somirammeistenfählt, Weil ichhaltall'sverkauff, GehtauchmeinHertzerldrauf.129 1,1 Bandlen]Bändern1,7 Tumeltsenk]beeilt euch Formal ähnlich gestaltet sind zwei Arien des Bernardon aus der Burleske Hanns-Wurst Ein lebendigesGespenst,woersichzunächst„ alseinKohlen-Bauer“ mitdemRuf„ Kafts Kohlen Kohlen! Kafts Sag-Schaten, / Kafts! wer eppes braucht“ zeigt. In einer späterern Szene erscheint er als Pfannen icker, der seine Künste anpreist. Der Eingang der Arie istauchBeleg fürdieTraditionundStabilitätdieser formalisiertenWerbesprüche:Dem hier verwendeten Kaufruf sind wir in beinahe wortwörtlicher, jedenfalls aber formal gleicher Gestalt bereits im mehr als hundert Jahre älteren Augsburger Druck begegnet („ Schiffelbinden Pfannen ecken“ ). In diesem Fall tritt auch die insbesondere bei Hand- werkerliedernhäu gmitschwingendeerotischeMetaphorikdeutlicherhervor:130 1 Häfenz'bünden,Pfannaz' icken, deckelaufd'Krüg, lasts sehn! IstenckMenschernaHäfnzerkloben? hataReinelanSchrick? Kommtsnurz'mir,öswerdsmi loben, sbrauchtnicksmehralsanZwick; WirdderDrahthaltummadreht, So istgleiderSchrickvernäht, Glei istg'schehn; Häfenz'bünden,Pfannaz' icken, deckelaufd'Krüg', lasts sehn! 128 ZisterzienserstiftStams,BibliothekundMusikarchiv(A-ST/ohneSignatur). 129 ÖsterreichischeNationalbibliothek,Cod.12708(TeutscheArien3),S.458. 130 Vgl.zur insbesonderemitderFigurdes ‚ Pfannen ickers`verbundenenerotischenKonnotation:Schaller- Pressler,VolksmusikundVolkslied,S.19bzw.Klier,WienerKaufrufe,S.64.
zurück zum  Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800