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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 358 FREMDES UND EIGENES befreien; dieser aber fällt von Akt zu Akt wieder in seine alten Gewohnheiten zu- rück. Möglich gemacht werden die Täuschungsaktionen, weil Potinus sich immer in denSchlafsäuft (vgl.dasrusticus-imperans-Motiv inKap.4).Erwachtundkonfrontiert mit seinem vermeintlichen Unglück, jammert er dann seinen running gag ‚ O vinum, o vinum`, ohne aber nach der Errettung tatsächlich die Finger vom Alkohol lassen zu können. Im vierten Akt stürzt ihn sein Versprechen, keinen Fuß mehr ins Wirtshaus zu setzen,ineinetiefeMelancholie,diemiteinemAderlassbehandeltwerdensoll.Hierfügt sich der Auftritt des Tiroler Händlers ein, der seine Stärkungsmittel – wie die Szenen- ankündigung erläutert – für die therapeutische Nachbehandlung an den Mann bringen will („ Distrahuntur fruges, pro phlebotomis comparandæ“ 46). Das Tirolerische des ‚ Le- moni-Manns` ist freilichaufseineRollenanlagebeschränkt;dennsprachlichgesehenist seinLieddemWestmittelbairischendesausMünchengebürtigenAutorsverp ichtet. Trotz aller Drolerie klingt in Rinswergers Arie auch das beschwerliche Leben der vazierenden Händler an: der Druck, mit den Einnahmen Frau und Kind ernähren zu müssen, und die körperlichen Beschwerden (interessanterweise wird hier der Kropf als allgemeines Signum der Gebirgsbewohner gesehen, nicht nur der Steirer). Noch kon- kreter tritt der harte Arbeitsalltag des Ölträgers in einem Lied aus dem ‚ Stubenberger Gesängerbuch` zu Tage, wo dieser eine Hilfskraft sucht und sich über das schlecht ge- hende Geschäft beklagt, da die Kundschaft zwar gerne das Öl für Notfälle zu Haus hat, dochnurungernGelddafürerübrigenwill: 1 GehBauergeh leihmirdeinknecht, derwärmirzumböltragnkradrecht: sowölnmirMiternandergeh: ämständtdas trühäl sche: dasöl tragnschlagtäschawasaus: hatmir4 jahr5 f:dähaust: 2 OBauerdeinknechtg elmirwohl: ämständtdas trühälganzdol: wanunsdö leuthdäeint [fragn]: wasmirdarindaeinhabm: oft sagnmirhalt lauterguetösach: gehtsweibergehtskauftsunswasab: 3 döweiberdödaeinsöBeklagn: sösangthaltkaeygelddaeinsNöhthabm: sowolnmirdenbauernfragn: woer thuedtäkaeishabm: derbauerderhat sibedenkht: undersagtdasgeld istvil zwenkh: 4 SchauBauerundlasdirnursagn: änöl solstalweil imhaushabm: eswirdoftaeiskrankhimhaus: derfsnöthgehnlassnaus: äglässlvollölgib idir: dugästmiränzwaeingädafür: [...]47 1,4 äm ständt das trühäl sche] ihm stünde die Warentruhe gut an 1,5 schlagt ä scha was auf] trägt schon auch was ein 1,6 5 f: dähaust] 5 Gulden eingebracht 2,3 däeint] tun 3,2 sangt] sagen 3,4 ä kaeis] auch keines 4,3 aeis]eines, einer4,6 zwaeingä]Zweier (halberKreuzer) Beide Figurentypen – der patriotische Tiroler Schütze und der charismatische Tiro- ler Händler – verbanden sich Ende des 18. Jahrhunderts zu einem der erfolgreichsten Volksstereotype dieser Zeit: dem ‚ Tyroler Wastel`, der ein drittes, bis heute wirksames tirolerisches Stereotyp idealtypisch verkörperte: die ‚ Lustigkeit`, worunter je nach Per- 46 Ebda.,S.238. 47 BayerischeStaatsbibliothek,Cod.germ.7340(StubenbergerGesängerbuch),Teil2,S.136.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800