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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 360 FREMDES UND EIGENES lichen`,kräftigzupackendenTirolernundderWienerGesellschaft,derenÜberemp nd- lichkeit, künstliche Höflichkeit, vor allem aber auch Hochmütigkeit und Standesdünkel kritisiert werden. Die Krise, durch die sich die Handlung entspinnt, ist denn auch die LiebezwischenLouisevonTiefsinn,derenElternjüngstindenAdelsstanderhobenwur- den, und dem jungen Bäckermeister und Hausbesitzer Joseph, einem Bürgerlichen.51 Die dünkelhafte Stiefmutter ist von dieser Verbindung entsetzt; der Vater dagegen und insbesondere dessen Bruder – eben der aus Tirol gemeinsam mit seiner Frau angereiste Wastel – unterstützen das Paar. Bei einem gemeinsamen Aus ug in den Prater eskaliert die Situation, alle trennen sich im Streit. Frau von Tiefsinn hat nun vor, Louise zwangs- weise mit einem alten Buchhalter zu verheiraten, während ihr Mann, der sich von ihr tiefgedemütigt fühlt,verschwundenbleibt.ErstdasEingreifendesunerschrockenenTi- rolers löstdieSituation:Er lässtkurzerhandeinenAdvokatenrufen,umdieVerbindung zwischen Louise und Joseph zu schließen, und am Ende versöhnen sich – recht plötz- lich– sogarHerrundFrauvonTiefsinnwieder. EinenEindruckvomStückundvonderFigurdes ‚ TyrolerWastels`kanndiefolgende Szene aus dem ersten Akt geben, in der das Tiroler Paar zum ersten Mal auftritt. Die Naturverbundenheit und Unverfälschtheit der Tiroler wird bereits hier in deutlichen KontrastzumstädtischenLebengesetzt: HerrvonTiefsinn. Nurherein lieberBruder,nurherein liebeBase. Wastel. Abersogt'smirnurihrWienerLeut,warumbautsengdennengereHäusergarsohoch? beiengmußmanjasteigen,alswennmanbeiuns inTyrolaufdieAlmanaufgieng. HerrvonTiefsinn. Lieber Bruder, um der schönen Aussicht willen übersieht man kleine Un- gemächlichkeiten.Das istalsodeinezweiteFrau? Wastel. Bei uns in Tyrol wissen wir nichts von Frauen, wir haben nur Weiber. Schau, bist selbst eingebornerTyrolerundredst sodappisch.DuLiesel sezdinieder. Liesel. (setzt sich.) Wastel. Aber jetzt sagmirdu,woistdenndeinWeib,daßichsienochnitg'sehnhab'? HerrvonTiefsinn. Vermuthlichauf ihrenZimmer,abersiewirdbaldkommen. Wastel. HatsasogutsHerz,wiedeinerstesWeib? HerrvonTiefsinn. (seufzt.) Wastel. Ja seufzenmußtmirnit, sonstgeh idirgleichausdemHaus.HatsasaubresGefries? HerrvonTiefsinn. So, so! Wastel. HatsGeldg'habt? HerrvonTiefsinn. NichteinenKreuzer!siewarKammerjungferundmachtemichdurchdiese HeyrathzumAmtssekretär. Wastel. Asolchehastg'nommen?nudiewirddirdieBrennsuppenweiternitharteinbrocken. 51 IndieserKonstellationistnebendemmitderFigurdesWasteleingebrachtenStadt-Land-Kontrasteinwei- tererGegensatzdargestellt:DieFamilieTiefsinngehört imStückzujenenehemalsbürgerlichenHändlern undHandwerkern,die– oftdurchSpekulationen– eingewissesVermögenerlangthabenunddamit indie höhere Gesellschaft aufgestiegen sind; deren neu erworbener Geltungsdrang wird in der Figur der Frau von Tiefsinn parodiert, die alles ‚ Bürgerliche` abzulegen versucht. Einem solchen neuadeligen Reichtum stelltSchikanederdas idealisierteBildeinesehrlichenundbiederen,wenngleichebenfallsmateriellabgesi- cherten Handwerks gegenüber, das durch den jungen Bäcker Josef repräsentiert wird. Vgl. u.a. Eva-Maria Ernst: Zwischen Lustigmacher und Spielmacher. Die komische Zentral gur auf dem Wiener Volkstheater im18. Jahrhundert.Münster/Hamburg/London:LIT2003,S.257.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800