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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 373 -
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NACHHALTIGE UND SPORADISCHE VOLKSSTEREOTYPE 373 wurf` (der anatolischen Schäfer); hier metonymisch für Türke bzw. die Einwohner des türkischen Vasallen- staats22,4 gratten]ergehen22,7 Hemmet]Hemd Die letzteStropheschließlichbringt inderConclusiodieVersicherungdesEigenen,das im Kontrast zu den vorgeführten Ethnophaulismen desto lebens- und liebenswerter er- scheint.DerSpottnamedes ‚ Flaschltragers`wirdderartzumstolzgetragenenEhrentitel, sodassauto-undheterostereotypischeZuschreibungverschmelzen. 23 Sobleib ichhalt inOesterreich/ dort schlag ichaufmeinLager, vonenck ichnimmerhinwegrais/ bleibhalt einFläschl-Trager/ derLuft istgsund,dieLeuthseyndprav, das thutmichrechtergötzen, vonenck ichnimmerhinweckraiß, bismichmitHundaushötzen. 23,1 Oesterreich] unter Österreich wird hier nur das Erzherzogtum ‚ Österreich unter der Enns` verstanden, das etwa dem heutigen Niederösterreich entspricht 23,3 enck] euch 23,4 Fläschl-Trager] Spottname der Nie- derösterreicher, im Speziellen der Wiener; in seinen Oesterreichischen Volksmärchen (1822) verknüpft Franz Zischka die Entstehung mit der Salzburger Stierwascher-Legende: dort habe man den schwarzen Stier so ver- bissen weißwaschen wollen, dass sich das Wasser der Salzach, dann des Inns und der Donau weiß färbte; die Wiener liefendaraufhinmitFlaschenzumStrom,weil siedachten,eswäresüßeMilch So kulturhistorisch und imagologisch interessant diese Reiselieder sind, wirkt die auch indersprachlichenGestaltungstarkmusterhafteAbhandlungverschiedenerLänderste- reotype für heutige Leser in der ganzen Länge etwas ermüdend. Die negativen Befunde bleiben äußerst eindimensional und sind vor allem dazu da, den jeweiligen Reisefort- schritt zu motivieren und die Heimkehr zu überhöhen. Im 18. Jahrhundert aber, in dem Nachrichten über andere Länder und erst recht das Reisen selbst durchaus Selten- heitswert hatten, übten sogar diese reduzierten Informationen über mehr oder weniger exotischeDestinationengroßeFaszinationaus. Das Reisen steht auch im Mittelpunkt der mehrfach aufgelegten Lustigen Reyß-Be- schreibung aus Saltzburg in verschiedene Länder; die wohl als Neujahrsgabe77 erstmals um 1717 gedruckt wurde und den ktiven Werdegang des Wiener Hanswurst in einem Narrenepos gestaltet. Als ‚ Herausgeber` der Schrift rmiert Joseph Anton Stranitzky. Ihr Autor war er – so die Erkenntnisse der neueren theaterhistorischen Forschung – nicht; ihm dürfte wohl der Weltpriester Johann Valentin Neiner (1679 bis um 1748) zur Hand gegangen sein, dessen Curiose Narren-Calender auffällige stilistische Ähnlichkei- ten aufweisen.78 In späteren Drucken aus den 1780er Jahren wird dieselbe Schrift unter dem Namen von Stranitzkys Nachfolger in der Rolle des Hanswurst, Gottfried Prehau- ser, wiederabgedruckt. Als Persi age auf die damals blühende Reiseliteratur konzipiert, 77 Vgl. Richard Maria Werner (Hg.): Der Wiener Hanswurst. Stranitzkys und seiner Nachfolger ausgewälte Schriften. 1.Bd.: Lustige Reyss-Beschreibung aus Saltzburg in verschiedene Länder von J. A. Stranitzky. Wien:Konegen1883. (WienerNeudrucke6)S.VIII. 78 Vgl. Rommel, Die Alt-Wiener Volkskomödie, S.339. – Kauffmann, Es ist nur ein Wien, S.109. – Otto G. Schindler: Stranitzky, Joseph Anton. In: Rudolf Flotzinger (Hg.): Österreichisches Musiklexikon. 5: Schwechat– Zyklus.Wien:Verl.derÖsterr.Akad.derWissenschaften2006,S.2324f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800