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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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GRENZGÄNGER DER SPRACHEN 381 7 AbI.aablas feng wieMannsanbetterheng, abt ihrgfresshexerey odersonstzauberey treibtgschwindtalsweckh. 8 Bildervonallerandt fürMannvndweiberstandt seindtmagdt inNiderlandt babtesaufandaswandt taugt füraltar. 9 Abaueingwisesöl dassterckhtdas leibvndseel schadtsnit sohilfftsdochnit wanihrabt ngerschnitt oder ins fus.98 1,2 gafft] kauft 1,5 warla isst friss] es ist wahrlich frisch 2,1 Messer steckh] Stechmesser (langes Messer für Schlachtung oder Jätarbeiten) 2,2 gugl eckh] Küchen eck, Kochschürze bzw. Putztuch 2,3 abter] habt ihr sau rockh] Schweinedreck (?) 2,4 kindt ihr schwindt ausserbring] könnt ihr geschwind herausbekommen 3,1 Ab Roman andtsuech] ich habe römische Handschuhe 3,2 da mennß] das Mensch, Mädchen 4,2 su] her- bei,herzu4,4bragt]gebracht5,1gopffmagweh]Kopfschmerzt5,2agnusDe]agnusDei(lat.LammGottes), hier: kleine, zu Ostern in Rom gesegnete Reliefbilder aus Wachs mit dem Symbol des Lamm Gottes 5,4 aber fald] herunterfällt, umfällt (wirksam gegen Fallsucht) 7,1 Ab I. a ablas feng] Ich habe auch Ablassfänger (?) 7,2 anbetterheng]andieBettenhängt8,1 allerandt]allerhand8,4 babt]pappt,klebt Sowohl die Markierung des fremdsprachigen Akzents als auch die Verwendung dialek- talerFormensindhierZeugniseineroralenSprachkultur, indersichdieindendeutsch- sprachigen Raum ziehenden Händler und Händlerinnen bewegten. Dies bezieht sich nichtzuletztaufdenSpracherwerb:ImRahmeneinerGesellschaft,dieweitvonvollstän- diger Literalisierung entfernt war und deren Alltag von mündlicher Kommunikation geprägtwar,erfolgteauchderErwerbvonDeutschalsFremd-undZweitsprache inden meisten Fällen – und jedenfalls in den sozialen Schichten, von denen hier die Rede ist – in mündlicher Form. Dieser Aspekt der Mündlichkeit prägt auch die literarische und formale Gestalt der Texte, in diesem Fall bis hin zur teils stärker an phonetischer Wie- dergabe denn an orthographischen Konventionen orientierten Schreibung. Trotz dieser ÜberlegungenwärefreilichdieVorstellung,dasshiereintatsächlichgenuinmündlicher (odergar:authentischer)AusdruckeinesWanderhändlersfestgehaltenwurde,einKurz- schluss. Mündlichkeit ist hier vielmehr – auch wenn reale Vorbilder den unbekannten Autor zur Darstellung inspiriert haben mögen – ngiert und dementsprechend als Mit- tel literarischer Stilisierung zu begreifen. Nicht zuletzt spielt hier auch die eigenwillige, teilweise schwer zugängliche und gerade darum eigenen Reiz entfaltende Schreibweise einewichtigeRolle. Noch deutlicher ist die mündliche Rede im zweiten Überlieferungsträger markiert, deraufdie im18.JahrhundertüblichenKonventionenderDialektverschriftung– insbe- sonderedieMarkierungvon/a/durch〈ä〉– zurückgreift.AusdieserWienerHandschrift soll im Folgenden eine als Cantilena betitelte Soldatenklage wiedergegeben werden, die in der älteren Quelle (Ms. Germ. Oct. 230) in das Wanderhändlerlied einmontiert ist (Str.10– 15), sich inhaltlich jedoch nicht recht einfügt. Das verbindende Element ist der fremdländische Akzent durch fehlerhafte Aussprache, Grammatikfehler und Wortstel- 98 StaatsbibliothekzuBerlin,Ms.germ.oct.230, f. 96– 99.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800