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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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SELBSTREFLEXIONEN 399 zum Anderen doch immer in einem als verbindlich verstandenen (metaphysisch legi- timierten) Sinnzusammenhang. Das Gedicht als Re exions- und Diskussionsraum legt dem potentiellen Leser also keine Neuorientierung in einer problematisierten Umwelt nahe, sondern zeigt Möglichkeiten der Integration bzw. des Beharrens im Bestehenden auf. IndiesemSinnistetwaauchPeterGottliebLindemayrsMeinGemüth-undDenkens- art (1780) zu verstehen, eine vergleichsweise simple Eigencharakterisierung, in der sich das Ich als anständiger, lebenslustiger und gottesfürchtiger Mensch vorstellt, der gleich- wohl um seine kleinen Schwächen weiß und zu diesen steht. Die zahlreichen Züge des Typischen und Allgemeinen verweisen auf einen ‚ mittleren Charakter`, wie er seit der Antike in der Tugendethik diskutiert wird. Gemäß der aristotelischen Mesotes-Lehre soll man zur Erlangung von Tugend das Mittel zwischen zwei Extremen suchen, wo- bei dieses Mittlere individuell vom jeweiligen Charakter abhängig ist. Anzustrebende Tugenden sind Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung, auch Freigebigkeit, Seelengröße, Hilfsbereitschaft, Sanftmut, Wahrhaftigkeit, Höflichkeit und Einfühlsam- keit. Sie zu erlangen ermöglicht dem Menschen die Harmonie mit sich selbst. Thomas von Aquin fügte dem Katalog klassischer Tugenden noch die theologischen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung hinzu. Beinahe alle diese Tugenden sind hier mehr oder wenigerexplizit angesprochen: 1 Ihbinhalt schonäso: ÄFreunddäganzenweitenWelt, VälangmäweitänötvielGelt, Äwengwünsch ihmädoh, Ihbinhalt schonäso. [...] 2 Ihbinhalt schonäso: Wermihgernhat,den lieb ihäh Undwennmärainrschanghäßiwä; So liebet ihnghaltdoh, Ihbinämaläso. [...] 4 Ihbinhalt schonäso: Nötz'hö ih,aferähnötz'grob, HörgernderandernLeut iehnLob; Mein'sgleihwohl liebänoh. Ihbinhalt schonäso. [...] 6 Ihbinhalt schonäso: Ihgiebgernausundnimmgernein; Müßtafer ihdäNarr just seyn: Soscheretsmihschandoh. Ihbinhalt schonäso. 7 Ihbinhalt schonäso: Ihbingleihhärb,undbigleihgut, Danahmämiansuchäthuet: MeinRechtenghalt ihdoh. Ihbinhalt schonäso. 8 Ihbinhalt schonäso: Wo's lusti zugeht,halt ihmit, Wo's trauriaussiecht,bleib ihnit, Mitleidibin ihdoh, Ihbinhalt schonäso. [...] 9 Ihbinhalt schonäso: Geht'sgut; sodenkih:waißnöt,was? Geht'safäschlecht; so tröstmihdas: DeraltiGott lebtnoh. Ihbinhalt schonäso. 11 Ihbinhalt schonäso: IhdenkmeinThailhübsch indäStill Ih loßdäbeyundrödnötviel ÄKennähanIdo– Ibihalt schonäso!
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800