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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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ALLGEMEINE BRAUCHTUMSTEXTE 407 mit dem Ausbruch des Vesuvs lässt eine Entstehungszeit des Stücks knapp nach 1774 vermuten; sprachlich tendiert es ins Westmittelbairische. Soweit es sich aus den quodli- betartigenEinlagenrekonstruierenlässt,drehtsichdieHandlungumdieKnechteHießl und Stöf , die sich der harten Arbeit am Hof entziehen möchten, indem sie sich rekru- tieren lassen, schließlich aber reumütig zu ihrem Bauern Hannß zurückkehren (siehe Kap.4, S.268). Dieser gibt zu Beginn des Stücks das folgende Arbeitslied zum Besten, in dem im zweiten Teil die ursprünglich koordinierenden Aufgaben der Versbetonung nochgutnachvollziehbarsind: FrischhurtiBuemlaßtsengnäd'Arbät schmöckä, Zwögäbiengdennsinst s'FrössnundLohn! Rührtsall engriGlidä, sokinnämäglöckä, Sinst jag iengwälägradall zweendävon. Nehmtsd'Mostlnstehtsnidä Höbtsauf,undsteßtswidä: Daßpumpert, Daßschlumpert Dasschlöglt, Dasklögelt KotzKruzenkainEnd! OesKrenn krament.13 1engnä]euchnur2Zwö]weswegen3engri]eureglöckä]etwaserfolgreichzuEndebringen4wälä]wahrlich 5Mostln]Stampfer(zumObstzerquetschen)7pumpert]klopft laut8schlumpert]Analogiebildungzu‚ pum- pert` 9 schlögelt] pocht 10 klögelt] hämmert, klopft 11 Kotz Kruzen] Fluch (zu Kuruzen: antihabsburgische Aufständische imOstendesReichs)12 Krenn krament]Fluch(Verballhornungvon‚ Sakrament`) Ohnedies scheint die bäuerliche Arbeit in diesem leider nicht näher verortbaren Sing- spieldaseigentlicheThemazusein,dennesschließtauchmiteinemArbeitslob,wieder inmarkanterMetrik. Die künstlerisch hochwertigste Verarbeitung historischer bairisch-österreichischer Arbeitsrufe in einer quodlibetartigen Komposition stammt aus der Feder des St. Flo- rianer Chorherrn Franz Joseph Aumann (1728– 1797). In seinem Hochenauer Gschray für vier Stimmen, zwei Violinen und Kontrabass ließ sich der Regenschori des Augusti- nerklostersvondenRufenderArbeiterbeimRücktransportder ‚ Hochenauer`bzw. ‚ Ho- henauer` inspirieren. Diese riesigen Lastschiffe (auf der Donau etwa 46m lang) fuhren an der Spitze des ‚ Gegenzugs`, der mit einem gewaltigen, an der ‚ Hohenau` xierten Seil durch kräftige, von den ‚ Schiffreitern` gerittene Pferde ussaufwärts gezogen wurde.14 Als grobe Kerle verschrien, führten die ‚ Jodln` genannten Reiter die Zugpferde unter lautem Geschrei über das Uferterrain, immer wieder auch in Kommunikation mit den Schiffleutenhinter ihnen,diedieSchiffezumanövrierenhatten: 13 StiftsbibliothekSt.Florian, II-17-65W108[FlugschriftfragmentohneTitelblatt], S.4. 14 Vgl. Carl Victor Suppan: Die Donau und ihre Schiffahrt. Wien: Selbstverl. 1917, S.82ff. – Rudi Palla: Ver- schwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe. Frankfurt a.M.: Eichborn 1995, S.277– 280.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800