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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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LIEDERLICHE LIEDER UND ANDERE ANSTÖSSIGE TEXTE 503 1,1 Gade] verderbt für Gader: Zaun, (hier) Gitter im Sichtfenster des Beichtstuhls 1,2 engri] euren 1,3 ös] ihr 1,4 eng] euch 3,1 Kren] Meerrettich (bei Schmidt: ‚ wie a Kren`) 5,4 san] sind 6,2 d'Menscher] die Mädchen 6,3 Kirn] Kirche 6,4 Lendl] dummer, träger Mensch (auch Kurzform für Leonhard und Wendelin) 7,2 wie a ledi]wieeinLediger,Unverheirateter (?)7,3 gröpaßt]gerülpst7,4 engrer]eurer8,1 Kan]keine Der zweite Teil des Lieds ist dem Geschlechtsleben des Pönitenten gewidmet, der es in einer Unverblümtheit schildert, die (nicht nur) im 18. Jahrhundert ihre schockierende, aber auch entfesselnd komische Wirkung wohl kaum verfehlte. Mit obszöner Lexik, einer nur allzu eindeutigen Metaphorik, mit Details aus der sexuellen Praxis und zu schlechter Letzt noch mit einem blasphemischen Affront bringt der Bauernbursche sei- nenBeichtvaterwohl ingrößteVerlegenheit– undmit ihmderAutoreinPublikum,das (aus welchen Gründen auch immer) diese Un ätigkeiten und Zoten nicht entlastend witzig nden kann. Schon zu Beginn dieses Abschnitts nden wir einen interessanten Querverweis auf ‚ unkeusche Lieder`, deren Melodie offenbar so bekannt war, dass sie auch gep ffen schon gegen die Konventionen verstießen. Ob auch dieses Lied eine der- art signi kante Melodie besaß, ist beim derzeitigen, rein textuellen Quellenstand nicht zu sagen. Ist es aber Zufall, dass das Lied metrisch ganz ähnlich gebaut ist wie das berüchtigte ‚ Eipeldauerlied` (vgl. Kap.3) und das eine oder andere Schlüsselwort mit diesem teilt (vgl. etwa ‚ Lendl`)? Wohl nicht ganz ohne Grund wurde ja auch Blumauer verdächtigt, an der Entstehung des revolutionären Texts federführend beteiligt gewesen zusein. 9 Ihan,kamwardieMeßvorbey UnkeuscheLiedlp ffa. UndunsrerAnamiedldabey AnArschundDuttelngriffa. 10 Ja,d'Unkeuschheitdiereißtmi[r]halt VielLöcha inmeinGwißen UndhatmiraschooftmitGwalt ALochind'Hosengrißen. 11 DulieberGottwas fang ian Wasmußivonalls leiden HerrPaderglaubtsmirnur, ikann MeinAnnamidlnitmeiden. 12 Letztbin ibey ihrauf'nHeu InhinternStadlgseßen DannhanihrsoausNarrethey Auf'nArschzwaPrakerg'meßen. 13 Eyhat'sMenschanHinterng'hat UndmitanStrafanschwarzen ZwaDuttelnwieaKuhnurhat UndrosenbrauneWarzen. 14 WiehatmirdameinBrunzer than Mir isganzg'spasiworen Isgwest, alsmußt ium'nLohn ADutzendBrunnröhrbohren. 15 InimdenRosenkranzheraus unddamithab ihnbogen Oherr!dasah'nzumLadenaus DieKrallerlnalleg' ogen.53 9,3 Anamiedl] Kurzform für Anna Maria 9,4 Dutteln] Brüste 12,2 Stadl] Scheune 12,4 Praker] Schläge 13,2 Straf] Streifen 14,1 Brunzer] Penis (eig. Organ zum Urinieren) 15,3 sah'n] wohl verderbt für ‚ san` (sind) Laden]Fensterbalken15,4 Krallerln]Korallen(beliebtesMaterial fürRosenkranzperlen) 53 Ebda., f. 101r– 102r.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800