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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 512 KÖRPER UND SINNLICHKEIT der Residenzstadt aufs Korn nimmt. Als 11. Kapitel montiert er als Beispiel, „ welche grosse Fortschritte die Rechtschreibung, Sprachlehre, und der Briefstyl in unserer Stadt gemacht habe“ , eine witzige Brief ktion, die ihr komisches Potential nicht nur aus der DiskrepanzvonMündlichkeitundSchriftlichkeitbzw.Brief oskel,Alltagsformulierung und Sprachfehlern schöpft, sondern mit per den Bildwechseln die Vorbereitungen für denMaskenball sexuellkonnotiert: füllgeliptester! in Ahler Eule mach ich innen zu Wiesen, das mi dfrau Mama häut auf Dredut mit nimt. justa- ment frisirt's der Schan, Hab im schon an Gulden gschenkt, nur damit er si mit der Mama recht tumelt;undwanermitderMama rti is, sokumter ibermi. Schan!– habigsagt– stoßerminurgschwindzsam,undtragerhernachdasBilliedlzumHerrn von ... Damit sömiabergleikenne, sowill i inasagn,wie iwirmasakrirt sein. ausdemHarnkünensminötkene,weilmiderSchansoerschreklichdurchbuttert,aberblumer- anfarbeni Schuech hab i an, und an bremte Dam farben Rog, mit saitenen Franzeln, und a piss farbi Kasaten mit Schwedlaren farbn maschen. Um den Hals hab i mein brülliantes Greiz – sö kennensja, söhaben'serstneuli inderHandghabt,aberwartens[n]ur– kömmensmirnoamahl aso, söBosheit, sö! Hieztb et inaGod,undichverhaare dero immerundewig getreueundgeborne vonS. NB.nehmens ineri staglenSchnallen,daßi inagleikenn,undlassens ina ihnsenfzerGangel segn.Adies.Adies. auf Dredut] auf die Redoute, den Ball Schan] Jean tumelt] beeilt ibermi] über mich Billiedl] Billet wie i wir] wie ich werde masakrirt] fälschlich für ‚ maskarirt`, maskiert aus dem Harn] an den Haaren durchbuttert] durchpudert (‚ budern/pudern` bair.-österr. auch für ‚ koitieren`) blumerant] (franz. bleu mourant: ‚ sterbens- blau`) fahlblau, bläulich bremte Dam farben] (franz. brun de dame) braun für die Dame Kasaten] Bluse (?) Schwedlaren] (?) Hiezt] jetzt b et ina] behüte sie ineri] ihre i ina] ich Sie staglen Schnallen] Stöckelschuhe mitSchnallen(?) senfzerGangel]Seufzergang(?) segn] sehen ObszöneundpornographischeLieder Auch wenn über gelebte Sexualität großteils nur in übertragener, moralisierender oder satirisch indirekter Weise öffentlich gesprochen werden konnte, heißt dies nicht, dass keine literarischen Produkte entstanden wären, die die Dinge beim Namen nannten. Doch weitgehend ausgeschlossen von der Drucklegung und den Zwängen innerer und äußererZensurausgesetzt,hatsichkaumeinoriginalesDokumentausdem18.Jahrhun- derterhalten.Dassdiewenigen,teilsauchspäterenQuellen,dieunseinenbescheidenen BlickaufdiezeitgenössischeVerbalisierungvonLusterlauben,invielenFällendialektale Merkmale aufweisen, kann nicht verwundern. Nicht nur signalisierte die Nähesprach- lichkeit eine dem Thema angemessene Intimität, die sich abhob von der distanzschaf- fenden, in diesem Kontext umso mehr ‚ uneigentlich` wirkenden Schreibsprache. In der ngierten Mündlichkeit konnte auch das leichter transportiert werden, was als nicht aufschreibbar und nichtig galt. Doch aus dem mündlichen Privatgebrauch, der sich in den dialektalen Formen widerspiegelt, fand nur bedauernswert wenig in die Schrift und kaum etwas davon hat die Zeiten überdauert. Eine Zufallsüberlieferung ist ein nur
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800