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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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LIEDERLICHE LIEDER UND ANDERE ANSTÖSSIGE TEXTE 513 schwachmundartlicherKanondesausBenediktbeuernstammendenBassisten,Kompo- nisten und Regisseurs Sebastian Mayer (1773– 1835), der das lächerliche Lamento eines Tripper-KrankeninNotensetzte: Ichmöchtgernvögelnhababer 'nkrankenSchwanz ichmöchtgernvögeln, ndkeinenJungfernKranz. Washilftsprobieren, ichkannhaltnimmermehr. MeinSchatzhatd'Paucken,undichdasRehrlgschwer.66 4 Paucken]VenerischeGeschwüre Rehrlgschwer]Röhrengeschwür:Tripper,Gonorrhoe Pornographische Texte im eigentlichen Wortsinn, also aufgezeichnete ‚ Hurenlieder` (griech. porne¯: Dirne), sind uns in zwei Sammlungen erhalten, die unter teils abenteu- erlichen Umständen die verschiedenen Zensurmechanismen überdauerten. Die eine ist derForschungunterdemSammelbegriff ‚ SpittelbergerLieder`bekanntundwurdeerst- mals 1924 von Emil Karl Blümml und Gustav Gugitz publiziert, deren dafür gewählte Pseudonyme K. Giglleithner und G. Litschauer sie vor weiterem Ungemach behüten sollte.67 Denn schon 1908 hatte der Volksliedforscher Josef Pommer gegen Blümmls Sammlung Erotische Volkslieder aus Deutsch-Österreich gerichtliche Schritte eingelei- tet und mit einer per den, auch antisemitisch motivierten Kampagne eine weitere akademische Karriere seines bedeutenderen Konkurrenten unterbunden.68 Die Vor- sichtsmaßnahme ist nachvollziehbar: Noch heute sind die Lieder aus Spittelberg, dem einstmalsberühmt-berüchtigtenVergnügungsviertelmitDutzendenLokalenundWin- kelbordellen, in ihrer drastischen Direktheit nichts für Zartbesaitete. Gewährsmann für die deftigen Vierzeiler war der Wiener Feuilletonist Friedrich Schlägl, der aus einer heute verlorenen Sammlung des bibliophilen Gastwirts Franz Haydinger (des bedeu- tendstenViennensia-Sammlersdes19. Jahrhunderts)von181269 71Vierzeilerkopierte, obwohler inWienerLuft (1875)nochbeteuerte:„ MeineFederwürdeerröten,wennich versuchte,nureineZeileniederzuschreiben“ 70. 66 Staatsbibliothek zu Berlin, Mus.ms.autogr. Henneberg, J. B. 2M, f. 2v. Der Vorbesitzer Aloys Fuchs ver- merkt: „ Der 3te Canon auf der Rückseite, ist von dem Hofopernsänger Sebastian Mayer (+) Schwager Mozarts aufgeschrieben; und das Ganze höchst wahrscheinlich an einem lustigen Abend in Mozarts Bei- sein, componirt worden.“ Mayer, der 1797 eine Schwester Constanze Mozarts heiratete, war bei Mozarts Tod erst 18-jährig und wird ihn kaum persönlich gekannt, geschweige denn mit ihm anzügliche Lieder gesungenhaben.DieEntstehungszeit istwohl indieMitteder1790er Jahrezusetzen. 67 Vgl. K. Giglleithner/G. Litschauer [i.e. Emil Karl Blümml/Gustav Gugitz]: Der Spittelberg und seine Lie- der. Wien: Privatdruck 1924, S.56. – Siehe dazu auch Alexander Sixtus von Reden/Josef Schweikhardt: Eros unterm Doppeladler. Eine Sittengeschichte Altösterreichs. Wien: Ueberreuther 1993, S.45ff. – Su- sanneMauthner-Weber:Venuswege.ErotischerFührerdurchdasalteWien.Wien:Promedia1996,S.165– 188.– ErnstWeber:Spittelberg-Lieder. In:RudolfFlotzinger(Hg.):OesterreichischesMusiklexikon.Bd.5: Schwechat – Zyklus. Wien: Österr. Akademie der Wissenschaften 2006, S.2265f. – Roger Stein: Das deut- scheDirnenlied.LiterarischesKabarettvonBruantbisBrecht.Köln/Weimar/Wien:Böhlau2007,S.245f. 68 Ein ähnliches Schicksal ereilte 1921 Leo Schidrowitz mit seiner Sammlung Das schamlose Volkslied, vgl. Brednich,ErotischesLied,S.589. 69 Der Versteigerungskatalog zum Nachlass Haydinger verzeichnete 1876 „ Lieder: Ein Band Manuscript. Enthält: Harfenisten-Lieder, Politische auf Napoleon und auf die 3 Allirten, Quodlibets, 181 Spitelber- ger-Lieder, 4zeilige usw. Gesammelt in Jahr 1812. 8°. 185 S. (Sehr pikant.)“ . Zitiert nach Giglleithner/ Litschauer,DerSpittelbergundseineLieder,S.56. 70 Ebda.,S.55.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800