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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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FENSTERLN, GASSLGEHEN, WERBEN IN LIED UND SCHAUSPIEL 523 DiehiererstgereihtenStrophenberuhenaufdemwesentlichälteren– nichtdialektalen– LiedDuhastmichwollennehmen,dasbereitsseitdemspäten16.Jahrhundertbelegtist97 undinvielenVersionenmitunterschiedlicherReihenfolgedereinzelnenTeileauftaucht. ThemaisteinHeiratsversprechen,dasvonderFraueingefordertwirdundvomMann– je nach Fassung – entweder wieder zurückgewiesen oder aber bekräftigt wird. Die dia- lektale Variante und insbesondere die Verknüpfung mit dem humoristischen Motiv des ärmlichen Haushalts sind dagegen erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts belegt und zei- gen,wiesichaussogenannten‚ Liedformeln` bzw. ‚ Wanderstrophen` – auchzumNachteil der inhaltlichen Konsistenz – neue, höchst erfolgreiche Schöpfungen kreieren ließen.98 Eine um 1800 entstandene Flugschrift, die offenbar auch Armin und Brentano als Vor- lage für ihre – sehr freie – Nachdichtung in Des Knaben Wunderhorn diente,99 bietet schließlich eine verhältnismäßig geschlossene Komposition. In der um vier Strophen erweitertenFassungASchüssala,aHäfalaspanntsicheinnachvollziehbarer inhaltlicher BogenvonderLiebeserklärungüberdenStreitzwischendenLiebendenbishinzurVer- söhnung.100 Eine zweite Fassung in derselben Flugschrift (A Höfala, a Schüssala) zeigt dagegendieSprecherinals jungeEhefrau,zufriedenmitdemliebevollgeschildertenWe- nigen, das die beiden besitzen. Neben einer intensiven Rezeption am Wiener Theater, wo es in Schikaneders Singspielen Der Tyroler Wastel und Die Kaufmannsbude (Musik: Henneberg, 1796)101 sowie in Friedrich Karl Lipperts Einakter Der Marktschreyer (Mu- sik: Franz Xaver Süßmayr, 1799)102 wiederverwertet wurde, etablierte sich das Lied um dieJahrhundertwendegeradezualsP ichtübungfürKomponisten,diedamitihreVaria- tionskunst fürverschiedeneInstrumenteunterBeweisstellten.103 VorallemBeethovens Op.105/Nr.3 fürFlöteundKlaviererfreut sichauchheutenochgroßerBeliebtheit. 97 Vgl. Philip Vilas Bohlman/Otto Holzapfel: The folk songs of Ashkenaz. Middleton: A-R Editions 2001. (Recent researches in the oral traditions of music 6) S.41. – Deutscher Liederhort. Auswahl der vorzüg- licheren Deutschen Volkslieder, nach Wort und Weise aus der Vorzeit und Gegenwart gesammelt und erläutertvonLudwigErk.NeubearbeitetundfortgesetztvonFranzM.Böhme.Bd.2.Leipzig:Breitkopfu. Härtel1893,S.376f. (Nr.552a). 98 Vgl.Bohlman/Holzapfel,The folksongs,S.41. 99 Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder. Gesammelt von L. Achim v. Arnim und Clemens Bren- tano.Heidelberg/Frankfurt:Mohru.Zimmer1806,S.373f. (Hastgesagtduwillstmichnehmen). 100 Vier lustige Tanz- und Opernlieder: 1) A Schüssala, a Häfala is all etc. 2) A Häfala a Schüssala (auf eine andere Art.) 3) Ihr Männer nehmt euch mit den Weibern etc. 4) Hab ih a Weib und bin a Moh etc. [o.O., o.J.]. Dass hier die verschiedenen Sprecherrollen deutlich bezeichnet werden, stellt ebenso wie der Titel der Flugschrift und die Weiterentwicklung in der Fassung ‚ auf eine andere Art` die Herkunft aus dem Theaterklar. 101 Vgl.Feurzeig/Sienicki,QuodlibetsoftheVienneseTheater,S.287.DiesesStückselbstunddamitauchdie dortverwendeteVariantediesesLiedssindoffenbarnichtüberliefert.DieVerbindungzwischenLiedund Singspiel istnurüberweiteremusikalischeBearbeitungengegeben,diesichaufDieKaufmannsbudeberu- fen, so etwa die Sei variazioni sull'aria „ A Schisserl und a Reindl“ des aus Italien stammenden Gitarristen MauroGiuliani. 102 Hier wird nur die erste Zeile des offenbar bereits bekannten Liedes zitiert: „ A Schüßerl, und a Reindl / A SpinnradundanHut,UndmeinesVatersBräun'l / IstallmeiHabundGut. ...“ ([FriedrichKarlLippert:] Der Marktschreyer. Ein komisches Singspiel in einem Aufzuge. In Musik gesetzt von Hrn. Franz Xaver Süßmayr.Wien:ChristophPeterRehm1799,S.62). 103 Variationen für Violine legten u.a. Franz Krommer (Františ ek Vincenc Kramá r), Peter Fuchs und Do- minik Langer vor; für Flöte bzw. Travers öte Joseph Richter, Franz Bühler und Karl Kreith, für Gitarre MauroGiuliani, fürKlavierJohannBaptistVanhal,PaulMaschek(PavelMaš ek),LudwigGall, JohannPe-
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800