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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 524 KÖRPER UND SINNLICHKEIT Affären,Verführung,vorehelicheBeziehungen Häu ger Topos in dialektalen Liebesliedern des 18. Jahrhunderts ist das ‚ Fensterln`, das sichbisheutealsBildfürvolkstümlicheWerbepraxis imkollektivenGedächtniserhalten hat.DieheimlichenBesucheundTreffeninderNacht,diedemFlirten– undmehr– die- nen konnten, werden in vielen Liedern besungen. Dabei ist die verwendete Perspektive nicht die Du-Form, die Lieder richten sich also nicht direkt an die Angebetete; viel- mehr handelt es sich dabei in der Regel um gemeinschaftlich gesungene Lieder,104 die entsprechend an Dritte adressiert sind, denen die Vorzüge des Mädchens und die eige- nen Abenteuer geschildert werden (vgl. dazu schon Kap.6). Mehr oder weniger stark könnendabeiauchmoralischeundgesetzlicheVerboteunddiedamitverbundenenGe- fahrenfürdie jungenBurscheninderbäuerlichenGesellschaft thematisiertwerden. Im folgenden populären Gassllied, das auch selbst das Motiv des ‚ Gassengehens` aufgreift, begegnen wir dem typischen Figureninventar: Bauernknecht, Magd als Geliebte, Bauer (hier nicht als Gegner, sondern tendenziell als verständnisvoller Mitwisser), Bäuerin als Hüterin der Sitten. Den jungen Knecht sticht die „ Lieb hind und vorn“ , der Magd geht es nicht viel anders, sie treffen sich nächtlich „ mit Lust und Freud“ . Dass die Bäuerin die Magd schilt und der Bauer vom Knecht wissen will, wo er in der Nacht war, macht ihnenweiternichtsaus: 1 LustimeinFührerbue! LustimeinVeitl! hab ichkeinKreuzerGeld mehr inmeinBeutel, stichtmid'Liebhintundvorn, unddas istwärläwahr, dashatmichtriebn, sonstwär ichdähämblieben. 2 DasKnäberlaufderGassen fangtauchanzusingen, dasMäderl imKämmerl fangtauchanzuspringen, nimmtdasPfäderl indieHand, istmirentgegeng'rennt auf inAngä, dahatsmichempfangä. ter Heuschkel, Johann Bernhard Hummel, Ambros Rieder, Gotthelf Heinrich Kummer, Katharina Bauer u.a. 104 Vgl. Ilka Peter: Gaßlbrauch und Gaßlspruch in Östereich. Salzburg: Müller 1953. – Deutsch/Haid/Ze- man,DasVolksliedinÖsterreich,S.51f.– GiselaRösch:KiltliedundTagelied.In:RolfWilhelmBrednich/ Lutz Röhrich/Wolfgang Suppan (Hg.): Handbuch des Volksliedes. Bd. I: Die Gattungen des Volkslie- des.München:Finke1973,S.483– 550.– Hochradner,MusikalischeVolkskultur,S.76ff.– GerlindeHaid: Fensterllied. In:RudolfFlotzinger(Hg.):OesterreichischesMusiklexikon.Bd.1:A– F.Wien:Österr.Aka- demiederWissenschaften2002,S.434.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800