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FENSTERLN, GASSLGEHEN, WERBEN IN LIED UND SCHAUSPIEL 525
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LöstmirmeinSchüherlauf,
unddieStrumpfbändel,
ziehtmirdieStrümpferlaus,
henksaufeinStängel,
däweilwir schlafengehen,
werdend'Strümpfschontruckenwern,
liebermeinSchatzerl,
geher inmeinKammerschlafen. 4
WirmitLustundFreud,
seyndbeynander,
aftwannderTaghergeht,
soscheidenwirvonander,
lusti imfreyenFeld,
fragwannikemmasoll,
SamstagaufdieNacht
damöchtdichhaben.
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Suppenhabensg'fressen,
dasKochhabensnochg'habt,
dieBäurinhatg'scholtn,
derBauerhatg'lacht,
derBauer ist einbraferMann,
erkenntschondenBuemaan,
erweißschonwieesgeht,
undwannmanlangnitaufsteht. 6
DasGässerlausgehen
laß ichmirnichtwehrn,
wannich imSommergeh,
darfminiemdsperrn,
wannich imWintergeh,
schneibtmirdentiefenSchnee,
kannschiernitwaden,
kannsgleichwohlnitgraden.
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DieSchuhanFüssen
seyndauchschonmehrz'rissen,
woichbeyderNachthingeh,
willsmeinHerrwissen,
dubistBauer ichbinKnecht,
wannidirbinnit recht,
därfst esgradsagen,
iwilldiänit langfragen.
DubistBauer, ichbinKnecht,
wannidirbinnit recht
därfstesgradsagen,
iwilldiänit langfragen.105
1,6 wärlä] wahrlich, sicher 2,3 Pfäderl] Hemd(chen) 4,3 aft] dann 5,6 Buema] Buben, Jungen 6,8 graden]
entbehren, lassen
Während Lieder wie das genannte insgesamt eine fröhlich-scherzhafte Stimmung bei-
behalten, teilweisesogar wieEsist fürwahrkeinbessersLeben106 mitKlamaukszenen
und einem dezidierten Bauernlob verbunden sein können, wird in anderen Liedern die
SituationderBauernknechteund-mägdeauchstärkerproblematisiert,zumalhinterder
oft verklärten Praktik des Fensterlns` und der heimlichen Liebschaften ein sozialhisto-
rischnichtunbedeutendesProblemstand:
105 Vier Neue Lieder. Das Erste: Ich weiß nicht wies kimmt, etc. Das Zweyte: Bin i ä rundä Hießl, etc. Das
Dritte:LustimeinFührerbue,etc.DasVierte:WillikumBrudäbistda,etc.Gedruckt indiesemJahr[o.O.,
o.J.].
106 Mehrere gedruckte und handschriftliche Belege vor 1800, hier: Sieben schöne neue Weltliche Lieder, Das
Erste: Und wann ich betrachte die eitle Welt, wie sie etc. Das Zweyte: Die Freyheit ist verschwunden, Cu-
pido stellt sich etc. Das Dritte: Es ist fürwahr kein besser Leben, als der edle Bauren= etc. Das Vierte: I
bin a so a Kerl, und geh a so rar daher etc. Das Fünfte: Oft mancher muß leiden, und hats nicht etc. Das
Sechste: Es wolt ein Jungfer in Closter gehn, die Welt etc. Das Siebende: O schnelle Freud, O kurze Zeit,
wiebaldbistetc. Vgl. auchBlümml,SchottkysVolksliedernachlass,S.62.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen