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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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FENSTERLN, GASSLGEHEN, WERBEN IN LIED UND SCHAUSPIEL 527 9 PfuiStö istdasnichtäSchand/ meinAydichbleibnicht indemLand/ derTeufelholl alleweilStraffen, wannainerbeyDienlwolt schlaffen. 10 OHießlwas thustmirdannrathen/ wiemainst /könnmirs'Gäßl-gehngrathn/ dasGäßl-gehnwär jaäFreud/ vertreibtmanoftmanicheZeit.109 7,1 Menscher] Mädchen 7,2 Schörgen-Haus] Unterbringung des Schergen (Gerichtsdieners) mit Haftzellen 7,4 aft] dann 8,4 Geigen] Halsgeige, Schandgeige: hölzerne Fessel um Hals und Handgelenke zur demüti- genden Abbüßung von Ehrenstrafen (v.a. von Frauen) 9,2 mein Ayd] (Beteuerungsformel) bei meinem Eid! 9,4 Dienl]Mädchen10,2 grathen]entbehren, lassen,verzichten InsgesamterscheinenderartigeKlagen– trotzderprinzipiell typisiertenRollen– durch- ausalsausdemLebengegriffeneliterarischeArtikulationderProblemejungerLeuteam Land. Ernste Klage über Unfreiheit und Zwänge ebenso wie scherzhafte Rede, erotische AnspielungundgemeinschaftlichesSingen:AlldieseverschiedenenAspekte ndensich in solchen Liedern und erklären damit wohl erst ihre Beliebtheit, die über die idyllisie- rendeDarstellungdes ‚ Fensterlns` inspätererZeitdeutlichhinausgeht. Dass das ‚ Fensterln` nicht nur ein ländliches Phänomen war, sondern auch im urba- nen Gebiet praktiziert wurde, legt eine heitere Szene aus Perinets Erfolgssingspiel Die SchwesternausPrag (1794,Musik:WenzelMüller),eineAdaptionderHafner-PosseDer vondreyenSchwiegersöhnengeplagteOdoardo,nahe.110 InhaltdesStücksisteinVerwirr- spiel mit vielen Verehrern: Der Tochter der Familie, Mitzerl, steigen gleich drei Männer nach, die Mutter Kunigunde ihrerseits versucht sich einen der Verehrer zu angeln und der Vater Odoardo – der es selbst auf Mitzerls Dienerin Lorchen abgesehen hat – hat alleHändevollzutun,dieMännervonseinemHausfernzuhalten.Mitzerlselbst freilich hat sich mit dem Marquis Kletzenbrod bereits einen Verehrer auserwählt, der sich auf verschiedeneWeiseanOdoardosdümmlichenDienerKasparvorbeizustehlenweiß: Kaspar. Weil ihr Gnaden g'schaft haben, daß ich soll Obacht geben, daß niemand in's Haus kommt, so hab ich gestern auf d' Nacht Obacht geben; und wie ich hab Obacht geben, so ist mir die Zeit lang worden, und da hab ich mir unsern großen Hund den Sultel mitgenommen, damit ich gleichwohl eine Ansprach gehabt hab. Na, und der hats auch g'sehen, wie der Fran- zos hat einsteigen wollen, und sie därfen ihn nur fragen, so wird er's ihnen erzählen, wann er anderseinrechtschaffenerHundist,derEhr imLeibhat. 109 FünfschöneNeueLieder. [DasErste:Auf,aufmitFreud, ihrSchäfers-Leut.DasAnderte:OVatter laßvor allen, die liebe Kinder-Zucht. Das Dritte: Ihr Eheleut! ach hört mich doch an. Das Vierte: Ihr liebe meine Männer,wasmüßmaanfangä.DasFünfte:ORiepldakemmmirrechtz'sammen. (o.O.,o.J.)], f. 4v. 110 Perinet übernahm den Inhalt zu großen Teilen und teilweise fast wörtlich, ergänzte aber Lieder und ver- änderte einige Figuren, Konstellationen und Szenen. Mit der Bearbeitung gewinnt insbesondere auch der Dialekt eine größere Bedeutung: Die komischen, ‚ niedrigen` Figuren (besonders die Kasper-Figur) sprechen fast durchwegs mehr oder weniger stark Wiener Dialekt. Diese sprachliche Markierung spricht PerinetschoninderVorrededesStücksentschuldigend,aberzugleichdenlokalenCharakterbestärkend, explizitan:„ DaßdieAusdrückeunddieSprache imösterreichischenDialektesind,entschuldigetnurdie Bestimmung, daß es in und für Oesterreich geschrieben wurde.“ (Die Schwestern von Prag. Als Singspiel in zwey Aufzügen, nach dem Lustspiele des Weyland Herrn Hafner, für dieses Theater neu bearbeitet von Joachim Perinet, Theaterdichter, und Mitgliede dieser Gesellschaft. Die Musik ist von Herrn Wen- zel Müller, Kapellmeister dieser Bühne. Wien, gedruckt bey Mathias Andreas Schmidt, kaiserl. königl. Hofbuchdrucker.1794,S. [3]).
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800