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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 536 KÖRPER UND SINNLICHKEIT habimzNegstäzwaeywochälälgeben, kunder janitaeiszahlen wanerhatgethanwieer thunhetesoln, etwanwerennocheinPargröschleingfahlen, 9 jezt las imivonkeinLothervoppenNimmehrmehr, jetzhab ichsschonerfahren, wanmiraufsnegstaeineraufs fenstelkombt, wil imiäBräffäschlinghaben,123 7,1Bändlhossen]Bänderhose,Kniebundhose7,2kiertäwökhl]Kirchtagwecken,Mehlspeise8,1zNegst]vor kurzem wochäläl]Wochenlöhne9,1 Lother]unehrenhafterMann9,4 äschlinghaben]denRückenzukehren Dassessich lohnt,demDrängeneinespotentiellenPartnersnichtvorschnellnachzuge- ben, demonstriert das beliebte ‚ Laterndl`-Lied, das seinen Reiz aus der metaphorischen Umschreibung der Jungfräulichkeit (bzw. allgemein Sexualität) gewinnt. Das Bild der heilen bzw. zerbrochenen Laterne war im Volksgesang weit verbreitet.124 Mit seinem charakteristischen Refrain wird das Lied darüber hinaus in den Kontext bäuerlicher Spinnstuben eingebettet, die als Orte des Zusammenseins der unverheirateten Dorfbe- völkerung keineswegs nur der Arbeit dienten, sondern auch als Fixpunkte jugendlicher Unterhaltung galten.125 Obwohl seit dem 16. Jahrhundert mit Verboten und Erlässen gegen deren ‚ Unsittlichkeit` angekämpft und auf den Ausschluss unverheirateter junger Männer gedrängt wurde, konnten sich die Spinnstuben gegen alle Einschränkungen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zäh behaupten.126 Dabei standen sie nicht nur als Orte möglicher erotischer Annäherung zwischen den Geschlechtern in der Kritik, sondern auch als Kommunikationsräume, in denen die Verspottung Erwachsener oder die Tra- dierungmagisch-irreligiöserBräucheihrenPlatzhatte,aberebenauch„ derspielerische Ausdruck jugendlicher Sexualkultur selbst in Form von sexuellen Anspielungen, An- züglichkeiten und derben Späßen, vor allem durch Scherzrede, Lied und Gedicht“ 127. Im Fall des vorliegenden Lieds ist allerdings weniger anzunehmen, dass es tatsächlich aus dem Umfeld solcher ländlicher Spinnstuben stammt. Auffällig ist jedoch, dass – bei allem Versteckspiel mit der Metapher des ‚ Laterndls` und dem Bild des ‚ Spinnradl tran` (Spinnrad drehen), das in allen möglichen Zweideutigkeiten ausgereizt wird – das ThemaderSexualitätzwischenunverheirateten jungenLeuten– oftnurhalbherzigver- decktdurchdieMetaphorik– erstaunlichoffenundfreimütigverhandeltwird: 123 Bayerische Staatsbibliothek, Cod. germ. 7340 (Stubenberger Gesängerbuch), Teil 2, S.18 [11 Strophen]. In einer um zwei Strophen kürzeren Fassung erstmals ediert bei Johann Nepomuk Georg Strolz: Bürgall, ein Zillerthaler Volkslied. In: Der Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol (1807), Bd.2, S.57– 69. Die Entstehungszeit des Lieds ist nicht genau zu eruieren; Strolz gibt nur vage an, das Lied sei „ ziemlich alt,wenigstenserinnernsichalteLeute, es schonin ihrer Jugendgehörtzuhaben“ (S.57f.). 124 Vgl. Wolkan, Wiener Volkslieder II, S.347f. So ndet sich etwa auch in Schottkys Volksliedernachlass ein „ Laternengsangl“ vom Ende des 18. Jahrhunderts mit derselben Metaphorik, vgl. Blümml, Schottkys Volksliedernachlass,Nr. IX. 125 HansMedick:SpinnstubenaufdemDorf. In:GerhardHuck(Hg.):SozialgeschichtederFreizeit.Untersu- chungenzumWandelderAlltagskultur inDeutschland.2.Au .Wuppertal:Hammer1982,S.19– 49,hier 19f.und22. 126 Vgl. ebda.,S.23ff. 127 Ebda.,S.28.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800