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542 KÖRPER UND SINNLICHKEIT
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Bäurinsollsthamgehn,
DeinManngriegtd'letzt'Ölung.
D'letzt'Ölung?
MeinEmpfehlung,
LieberFranzpp. 4
Bäurinsollsthamgehn,
Bäurinsollsthamgehn,
DeinMannist tod,
Ist er tod?
Tröst' ihnGott!
LieberFranzpp.
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Bäurinsollsthamgehn,
EinalterFreyer ist imHaus.
Ist er imHaus?
Werfts'nraus!
LieberFranzpp. 6
Bäurinsollsthamgehn,
Ein jungerFreyer is imHaus.
Ist er imHaus?
Laßts'nnit raus!
LieberFranz, jetztkanTanz,
Dennjetzmußiz'hausgeh'n.136
1,1 ham]heim2,1 inZügen] imSterben3,5 pp] (lat.pergeperge: fahre fort, fahre fort)usw., etc.
Besonders beliebt war das Ehestreit-Thema auch auf den Klosterbühnen. Maurus Lin-
demayr belieferte das Lambacher und befreundete Stiftstheater mit entsprechenden
brachialkomischenSzeneninseinenKlosteroperettenwie Jodel,derFriedensstifter,Sauf-
sucht oder Der ernsthafte Spaß. Aber auch das nicht weit entfernte Benediktinerstift
Kremsmünster kann auf eine ausgeprägte eigenständige Tradition verweisen, die wie-
derum von den Produktionen Weisers und Eberlins auf der Salzburger Universitäts-
bühne inspiriert war. Ein frühes Beispiel ist das zweiteilige Singspiel Astrologus des aus
demsüdböhmischenBeneschau(heuteBene ovnad Cernou)stammendenGymnasial-
direktorsundPatercomicusJohannesWeylgoune(1708 1760).137DieMusikzudemals
Zwischenspieleiner lateinischenFinalkomödie1746aufgeführtenStückstammtevonP.
Placidus Fixlmillner (1721 1791), der seinen Zeitgenossen vor allem als Astronom von
Weltrang bekannt war. Im ersten Teil wollen der tölpelhafte Bauer Hänsl und sein Sohn
Pärtl bei einem Sterngucker` in Erfahrung bringen,
ob nit bald umädum ä vöstä frid
wiäd weän 138, doch noch bevor sie eine vernünftige Antwort erhalten, werden sie von
Greschl,Hänsls rabiaterEhefrau,unterwüstenBeschimpfungennachhausegeprügelt:
Muetter. hänsl mein man! Pärtl mein bue! hansel! Pärtl, wo seits voan odä hintn; i suech enk
umädum,undkanenkdonöt ndtn.
Vatter. GeltPärtlhonisnötgsoät. iez istd'muedääda.Döwiädunsgörechtglokä.
Sohn. Vadähaltgoschn, sömechtiöppäheän,össändia insa3,wasbistdensodäschrokä.
Astrologus. Disß ist gewis ein sternseherin: sye hat den tubum in der hand zum sternsehen,
wannsyebeynraufangdurch ind'höhethuetabgehen.
Muetter. Aria.
Woächthänsl iwilldi schokriegn,
iwilldadeinschedl schobiegn,
WoächtPartlösbleibtdanitauß,
136 Wienbibliothek im Rathaus, HIN 55795, Teil 2, f. 26v 27v. Unter dem Titel Der Weltlauf (Wai, wai,
sollst hoam geh
n) wurde eine Variante bereits 1819 in der ersten namhaften Volksliedersammlung aus
Niederösterreich mit Noten abgedruckt, vgl. Franz Ziska/Julius Max Schottky (Hg.): Oesterreichische
Volksliedermit ihrenSingweisen.Pesth:Hartleben1819,S.165f.
137 StiftsbibliothekKremsmünster,Ccn1373,S.63 77.
138 Ebda.,S.66.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen