Seite - 544 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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544 KÖRPER UND SINNLICHKEIT
Doch der Anblick der scheinbar Toten und das Entsetzen der Kinder und Verwandten
lassen sie ihre Tat rasch bereuen. Mit einem weiteren Zauberspruch` wird Greschl wie-
derbelebtundzumindest fürdenMomentwissenallewieder,wasmananeinanderhat.
Nicht weniger derb geht es in Simmel bekommt eine Ohrfeigen zu, einem weiteren
durchkomponiertenIntermediumfürdasKremsmünstererSchultheateranonymerHer-
kunft (Matthias Pregg?). Das Spiel beginnt publikumswirksam mit einer Ohrfeige, die
der versoffene Bauer Simmerl von seiner zweiten Frau bekommt, während er sie mit
unterwür gen Schmeichelreden zu beruhigen sucht. Aber erst als ihr Sohn aus erster
Ehe, Amico, auftritt, lässt sie von Simmerl ab, der wiederum von seinem Sohn Bieberl
getröstet wird. Als ihn die Furie trotz der Einwände des Wirts aus dem Wirtshaus
prügeln will, wird sie mit einer List kampfunfähig gemacht; an einen Tisch gebunden
kannSimmerl sie schlagen,wieermöchte:
Bieberl. heVadä
Simmerl. ha.
Wirth. heNachbä.
Bieberl. gschwindstehauf!WirhabndamitdaMueda
Simmerl. ädößlueda
Bieberl. anartlichnRandangfangä.
Simmerl. Na,dößliess si endlihoren
Wirth. itztwirdsenkgwißnodasiwern,mahabn'sRosoliglaßvonihrdäwischt,dahabnwiran
Schlaftrunk drunta gmischt, öß hat schon trunkä ä davon izt geh ma gehn, und bindens föst
anTafelandakanstdunachawasd'willstmitda fotzenmachä,dubist iztherr imhauß.
Simmerl. DieErstestraf istdie izt trinkmädenRosoli ihrbeyäntropfenauß
Wirth. iztgreiftsnuran,mäwöllndhöppinrecht föstBinden.
Simmerl. nooäns:nCarbätschnimäzudirauwei fürchtmadoschierSünden
Wirth. Nachbä dö Weibä soll mä zohln, und alli soll ma schindn, die ihren aignä Mann kain
trunkvägunäwölln,dukannstäspriegelnundhalbsdaschlagn, siederfkeinWörtl sagen.141
Rand] Spaß, Streich enk] euch dasi] kleinlaut Rosoli] Likör, meist auf Basis von Kirschensaft öß] sie gehn]
schnell, gleich (Füllwort) dhöppin] die Kröte Carbätsch] Karbatsche, Peitsche mit kurzem Holzstiel vägunä]
vergönnen
UnterdenSchlägenSimmerlsgibtdieEhefrauschließlichkleinbei einkurzerTriumph
freilichnur.
In Theophil von Dückerns (1718 1774) dialektalem Interludium zum Schulstück
Floridus (1757) weigert sich der versoffenene Hänsl, seinem Sohn Riepel zu folgen und
nachHausezugehen;denndortwartetnurseineFraumitSchimpfenundPrügeln.Rie-
pel soll ihrdeshalbausrichten,er sei ineinenVogelverwandeltworden:
Allweilbrummä,allweilgrannä,
MialswieänHundanzahnä.
Nä;daswirdmäwährlaz'vill.
Hanniabäaimald'Flügl;
KimmtmeiWeib,undwillmischröckä;
Zaig id'Feign,und oig ihrwöckä.
Dortnthue i,was iwill.142
141 MusikarchivStiftKremsmünsterG13/35, f. 8v 9r.
142 StiftsbibliothekKremsmünster,Ccn1348, f. 7v.
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Buch Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Titel
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Untertitel
- Eine andere Literaturgeschichte
- Autoren
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 652
- Schlagwörter
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen