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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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Seite - 549 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

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KONFESSIONELLE AGITATIONSTEXTE 549 ErzbischofMaxGandolfvonKuenburgveranlasstenLandesverweisesvonetwa800Salz- burger Protestanten aus dem damals zu Salzburg gehörenden Osttiroler Defreggental und aus Dürrnberg bei Hallein – eine Zwangsmaßnahme, die in der protestantischen PublizistikalsBeispielderStandhaftigkeit ihrerGlaubensbrüderangesichtskatholischer Willkürauführlichbesprochenwurde.DerAutordesLieds, JosephSchaitberger(1658– 1733), ein Dürrnberger Bergmann und protestantischer Glaubenskämpfer, verfasste es möglicherweisebereits1686aufdemWegnachseinemEmigrationsortNürnberg– erst- mals im Druck erschienen ist es allerdings erst 1691 in einem Sendbrief Schaitbergers. Es transportiert die Sorgen und Nöte der Vertriebenen, betont zugleich aber auch ihr Einstehen für den rechten Glauben. Dass das Exulantenlied (auf die Melodie des Kir- chenlieds Ich dank dir schon durch deinen Sohn) in den protestantischen Gebieten des deutschenReichsgroßeVerbreitunggefundenhatte,belegennichtzuletztetlicheAdap- tionen,darunteraucheinedialektale,pseudo-bairischeVariante,die inderMundartder Vertriebenen verfasst sein soll. Diese Fassung wurde, als die konfessionellen Spannun- gen mit der Vertreibung von über 20.000 Protestanten unter Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian zu Beginn der 1730er Jahre erneut auf ammten, mehrfach in protestantischen Blättern abgedruckt, „ damit man auch ihre Sprache einigermas- sen daher kennen lerne“ 7. Dialektkundige waren bei der propagandistisch intendierten Drucklegung offensichtlich keine beteiligt, so unbedarft ist die Wiedergabe der ober- deutschen Mundart in sämtlichen erhaltenen Fassungen. Denn selbst wenn man mög- liche Übertragungsfehler und Zersingungseffekte in Rechnung stellt, dürfte das (auch zeitlich nicht genau bestimmbare) Original nicht in der Mundart aus der Halleiner Ge- gend verfasst worden sein. Dies belegt auch die 11-strophige Fassung des Lieds aus der Auserlesenen Theologischen Bibliothec von 1733 mit ihrem irritierend inkonsistenten, mehrschwäbischendennbairischenDialektpro l: 1 IbineinarmerExulant, Also thuimischreiba, MathuetmiausdemVatterland Um GOttesWortvertreiba. 2 Daßwaßiwohl, HErr JEsuChrist, Es istdirahsoganga, Itztwill ideinNachfolgerseyn, HErr,machsnachdeimVerlanga. 3 EiPilgrimbin ihaltnumehr, Mußrasa fremdeStrosa, Dasbitt idi,mein GOTT und HErr, Duwirstminitverlosa. 4 DenGlaubahobi freybekennt, Desdarf iminit schäma; WennmomigleigeinKetzernennt UnthuetmirsLebanehma. 5 KettaunBandawormirmeinEhr, Um JEsuwillazdulta, UndiesesmochtdieGlaubensLehr, UnnitmeinbößVerschulda. 6 Mußiglei indasElendfort, Wil imidonitwehra, Sohoff ido, GOTT wirdmidort OchguteFründbeschera. 7 NöthigesSupplementzuderAuserlesenenTheologischenBibliothec.DreyzehendesStück.Leipzig:Brauns sel.Erben1733,S.127.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800