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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Seite - 557 -
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KONFESSIONELLE AGITATIONSTEXTE 557 serie enthielt, ist ebenso unbekannt wie ihr Autor. Im chronologisch vorzureihenden, nur handschriftlich überlieferten Brie ied Herr Vetter grieß Gott! (in dem wiederum ein früheres Schreiben erwähnt wird) wendet sich der sorgenvolle Verfasser ‚ Wahr- mund Christlich`, ein „ haußknecht in dem Catholischen Pfarrhoff Salzburg heraußern gebürg“ 18, in mahnendem Ton an seinen in der Gebirgsgegend ansässigen Vetter, der zum Protestantismus übergetreten sei und nun zur Vernunft gerufen werden soll. Als Argumente dienen gerade jene Vorwürfe, mit denen man auch von of zieller Seite ge- gendieKryptoprotestantenStimmungmachte:SieseiengewaltbereiteRebellen,diesich gegen den Landesherren auflehnten, die katholische Bevölkerung bedrohten und be- schimpften, aufwieglerische Predigten hielten, Heiligenbilder und -statuen zerstörten, evangelische Lieder sängen und zentrale Punkte der katholischen Glaubenslehre ins Lächerliche zögen. Vor untergrif gen Verunglimpfungen der gegnerischen Seite frei- lich scheute man selbst keineswegs zurück. Luther etwa sei „ als ein schwein / in gar- ten herein / der Christlich catholischen kirchen gfalln ein“ 19 (Str.9/1– 3). Höhnische Kommentare galten auch Stullebner, den in Oberösterreich gefangenen Gesandten und Verhaltensweisen der Kryptoprotestanten, die den repressiven Maßnahmen geschuldet waren, wie Begräbnisse in ungeweihter Erde. Der zweite Teil des 30-strophigen Lieds zielteoffensichtlichaufdieEinschüchterungderevangelischenBauernab, indemdetail- liertdiefürstlichenundkaiserlichenTruppenaufgelistetwurden,diezurUnterdrückung derEvanglischenentsendetwurden. 6 WashateuchJohann vonNepomucthan, das ihr Ihnsokezerischgriffenhabtan, inDiernbergobngibtsauchso luterischstrickh, SanctAugustinbildnußwaißaucheinVnglickh, dahofft ihrnurgsteifft, wansd-heilignangreifft, Imhimmelwirdshaissen, istd-höllnaschierzseifft. [...] 10 Wasz-hüttaderschmidt, dasglaubtmangarnit, fürkezerischerDieb ist, vndhaltenvillmit, Mansagt ia,daszahlvonä19. sey, recht schelmischaufrührer,Spionendarbey, ihrzehltgarvngfehr vonzehengrichterher, beysibenzehentausendt, sibenhundert, schiemehr. 11 Derwürthzubischofhoff, zgleichMezgerdergoff hatetlichbirgoxenmit ihmtribn,wied-schoff, eswären inallebeyainvndzwainzigsein, 18 ArchivderErzabteiSt.Peter,Akt617,1,Bl.4, f. 5v. 19 Ebda., f. 2r.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800