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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 572 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN füreineQuellevonHeiligkeitundWahrheit“ 58 gelte.Umsoschockierenderseidieman- gelhafteQualitätderPredigten: Mit einem Worte: das Predigerwesen scheint so vielen ein bloßes Gedächtniswerk, eine förmli- cheTagwerkerei,einealthergebrachteGewohnheit,mitdermaneshaltenkann,wiemanwill,ein Leisten, darüber jeder nach eigenem Gutbe nden seinen Schuh ziehen darf; und wie ich vorhin sagte: ein Handwerk geworden zu sein, in welches jeder nach Belieben, wachend oder schlafend, nüchternoderbesoffen,mitundohneKopfpfuscht,undpfuschendarf,wieundsovielerwill,– 59 Ideologischer Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist die Annahme der Aufklä- rer, dass die Seelsorger und Prediger maßgeblichen Ein uss auf das Volk hätten und demnach Verfügungen des Monarchen sowohl erleichtern als auch erschweren bzw. in diesemSinneauchfürdieAufklärungdesVolkeswirksamseinkönnten.60 Zudemsollte einer teils von der Kanzel ausgehenden Agitation gegen die josephinischen Reformen publizistisch entgegengewirkt werden. In diesem Kontext sind die am Reformkatholi- zismus orientierten Wöchentlichen Wahrheiten zu sehen, die das unkontrollierte, un- zensierte Wirken der Kanzelredner kritisch unter die Lupe nehmen. Die ‚ Gesellschaft Gelehrter` (Mitwirkende sind neben Hoffmann auch Joseph Maria Weissegger und Jo- hann Rautenstrauch) will somit als öffentliche Kontrollinstanz fungieren, um reform- feindlichen Predigten entgegenzuwirken und Prediger zu inhaltlichen und formellen Verbesserungenzumotivieren.61 Trautsons Nachfolger, Kardinal Christoph Anton von Migazzi, der um das Ansehen der Geistlichkeit bangte und ein Erstarken der kritischen Stimmen unter den Gläubi- gen befürchtete, beantragte nach dem erstmaligen Erscheinen ein sofortiges Verbot der Zeitschrift, das jedoch nicht zustande kam. Dafür aber wurde mit dem jansenistischen Theologen Marc Anton Wittola ein Vertrauensmann der Regierung in die ‚ Gesellschaft Gelehrter` eingebunden, der sicherstellen sollte, dass das Wort Gottes in der Wochen- schrift nicht infrage gestellt werde, und der für eine theologische Fundierung der Kritik Sorgetrug.NutznießerderalsEntgegenkommensignalisiertenInterventionwarfreilich die staatliche Führung, schließlich erhielt man auf diese Weise Informationen darüber, was gepredigt wurde, und konnte fallweise dem Kardinal die Verwarnung beschuldig- ter Prediger nahelegen.62 Auch auf Ebene der breiten Öffentlichkeit wurden die stark rezipierten Wöchentlichen Wahrheiten kontrovers aufgenommen, wie die zahlreichen Reaktionen nicht nur von politischer und klerikaler, sondern auch publizistischer Seite belegen.63 KritikundGegenkritikbefeuertensichgegenseitig,sodassderWochenschrift einregerAbsatzübereinebeachtlicheZeitspannebeschertwar.113Predigtbesprechun- gen waren es letztendlich, die später in neun Bänden ediert wurden. Somit markieren 58 Hoffmann,WöchentlicheWahrheitenI,S.4f. 59 Ebda.,S.8f. 60 Vgl.Wangermann,DieWaffenderPublizität,S.85f. 61 Vgl. ebda. 62 Vgl. ebda.,S.86f. 63 KauffmannsiehtdieWöchentlichenWahrheitenalsAuslöserfüreinedritteWellederBroschüren ut,nach- dem die Schrift Über die Begräbnisse in Wien eine erste und das Pamphlet Was ist der Papst? eine zweite Welleausgelösthatten(vgl.Kauffmann,Es istnureinWien,S.172).
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800