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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 578 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN zelvortrages mancher katholischer Prediger lächerlich machen“ 84 wollte – um diesen Ansatz allerdings umgehend zu verwerfen. Dabei verweist schon die Widmung an die kurfürstlich-bayerische Gelehrtengesellschaft „ zur Beförderung der geistlichen Bered- samkeit und Katechetik in München“ 85 auf die satirische Absicht; unmissverständlich wirdsiedemunvoreingenommenenPublikumvorallemaberdurchdiepointiert-ironi- scheVerwendungdialektalerFormen,diehierwenigeralsZeichenderVolkstümlichkeit denn als Beleg der intellektuellen, theologischen und rhetorischen Unbedarftheit des ‚ Wiesenpaters`dienen. Bezeichnenderweise werden diese mundartlichen Formulierungen zwei Jahre später für einen Neudruck unter dem Titel Funckelneue Rosenkranzpredigt noch erheblich in- tensiviert. Diese zweite Fassung ist „ [d]en Herren Predigtkritikern zu Prag zugeeignet“ , alsojenerGruppeumdenPrämonstratensermönchÄgidChladekunddenHerausgeber Karl Guol nger von Steinsberg, die 1782 mit der Geißel der Prediger (ab dem 5. Stück unter dem Titel Predigtenkritik) homiletische Aufklärungsarbeit leisteten und den Wie- nerWöchentlichenWahrheitenalsVorbilddienten:86 LiebeHerrnKridiker! Seyts nit harb, daß ich enck meine Predig zug'eignet; ich hab in Zeitung g'lesen, und ist auch ein WanderG'sell ausPragaussekume,derhatmirverzehlt,daßösaganzBandlb'samenseyts,und auf die Prager Prediger braf schimfts und losziehts; Schon recht, nur zue, warum predigens nit besser; in meiner funckelneuen Rosenkranz Predi, da werds wohl nix z'tadeln nden. – – Net wahr, so mueß ma s'Wort Gottes fürtragen. Die Predi hat si g'waschen; Oes werds mich wohl a Bißl lobn? – Nur net z' viel ich bin net hoffärti. Auf Laurenzi geht der Bader Michl auf Prag eini wohlfarten, da werds mein Predig wohl schon g'lesen, und a was drüber druckt habn; Schickts mir a paar solche Wisch mit ausse, daß ichs mein Bauern fürlesen kan, was 's kost, wers schon zahln. Wenns a mahl Zeit habts, kommts zu mir ausse, i hab a guets Bier, und fette Damfnudeln solltsakriegn.– – Nulebtsderweilg'sund. Bogenhaußenden1. Juny1782. Wiesen-Pater.87 harb] verärgert enck] euch ausse kume] herausgekommen ös a ganz Bandl b'samen] ihr eine ganze Bande beisammen hoffärti] eitel, ruhmsüchtig Auf Laurenzi] am Laurenzitag: 10. August sollts a kriegn] sollt ihr auchbekommen Spätestens mit dieser durchtriebenen Widmung sollte klar geworden sein, dass der ‚ Wiesenpater` bloß eine provokante Stellvertreter gur für jene rückständigen katholi- schen Kontroversprediger war, deren Ungebildetheit, Ignoranz und Blasiertheit man auf diese Weise bloßzustellen versuchte. Das hinderte freilich den Aufklärer und ver- bissenen Kämpfer wider den süddeutschen Barockkatholizismus Friedrich Nicolai in seinerBeschreibungeinerReisedurchDeutschlandunddieSchweiznicht,daspolemische Kunstprodukt 1785 als Beispiel für den verkommenen Zustand der Religion im Raum 84 AllgemeinedeutscheBibliothek44/1(1780),S.344f. 85 Rosenkranz-Predigt,S. [3]. 86 Vgl.Hoppe,Predigtkritik imJosephinismus,S.69ff. 87 [Anonym]: Funckelneue Rosenkranzpredigt gehalten zu Bogenhausen nächst München von dem soge- nannten Wiesen-Pater aus Ißmaning. Den Herren Predigtkritikern zu Prag zugeeignet. [o. O, o. V.] 1782, S.2.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800