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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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HANSWURSTSTREIT 585 In seinen Anfängen weitgehend alleinverantwortlich für eine grobianistische, par- odistischeAkzentuierungderpathosschwangerenHaupt-undStaatsaktionen,wandelte sich der Wiener Hanswurst unter Stranitzkys Nachfolger Gottfried Prehauser zu einer weitaus facettenreicheren, exiblen Figur, die viele Wesenszüge des Arlecchino/Arle- quinaufgesogenhatte.109 ZurSeitestandenihmindendurchgängigkomischenStücken mit ihren Rollentypen, xen Handlungsmustern und Lazzi weitere lustige Akteure – traditionelle wie Pantalon, Scapin oder Colombina und auch neu geschaffene wie der ‚ Bernardon`,vonJosephFelixKurzkreiertundalsumjubelter shapeshifter Namensgeber einereigenenBurleskenform,derphantastisch-totaltheatralen‚ Bernardoniade`.Gespielt wurdenseitden1730erJahrenaufdenWienerBühnenteilextemporierteBurlesken,die unmittelbar oder mittelbar der Formenwelt der Commedia dell'arte entstammten; über Wandertruppen verbreiteten sie sich wiederum in großen Teilen des deutschen Sprach- raums.110 Von diesen Burlesken mit Improvisationselementen sind aus dieser Zeit übli- cherweise nur Szenare oder Gesangseinlagen überliefert, die uns das Bühnengeschehen lediglich in seinen Umrissen vorstellen. Das geübte Personal der professionellen Trup- penkonntedieHandlungsvorgabenmitdemjeeigenenRepertoireansprachlichenund körperlichen Mitteln vergleichsweise frei, aber natürlich in Übereinstimmung mit der Figurenanlage ausgestalten, wobei weniger die geistesgegenwärtige Er ndung an sich alsdasgekonnteArrangementerprobterTextbausteine,dieVariationpublikumswirksa- merEffekteunddieIntegrationvonLazziundMusikeinlagenimVordergrundstanden. Über den spezi schen Gebrauch von Sprachvarietäten in den Extempores weiß man generell nur wenig; in den Szenaren nden sich wenig Spuren und in den raren aus- formulierten und gedruckten Libretti dieser Zeit begegnet uns das Spiel üblicherweise protestantischen Gegner funktionalisiert, indem er eingeschobene Expertisen, Argumente, Darlegungen etc. im Gespräch mit dem ‚ Choragus` räsonierend bis grobianistisch kommentiert. Dialekt spricht auch dieserArlequinbzw.Hanswurstnur fallweise,dannaberausgesprochenexplizit: Arleqin. Ihrmöchts jetzundernemmen/fürwasihreswolt /mirgiltallesgleich/vorZeiten ist es wohl a mahl a Rooß gwest / und hat Bucephi geheissen / was es aber dermahlen seye, daswaiß ichnit. MaisterHannss. Nuwas istdanndeinVerlangendarmit? Arleqin. Ja was woaß I/ wo – und was ihm alles fehlt / und ob er noch curabel seyn möchte! schaugt ihrgleichwohl /müestsbesserverstehendannich. Q.V.S.J.S.D.C.R.Z.F:Bucephalus,DasFaßnacht-Roß,WormitDerArlequinverschidenecurieuseAvantu- rengehabt:Dasist:CatholischeReplic,OderGegen-AntwortAufdieUncatholischsobetitultUnwiderleg- liche etc. Widerlegung disseithiger Apologiae vor das Allerdurchleuchtigste Ertz-Hauß Oesterreich, Die Religionbetreffend,AndererTheil,Continuirt inderFormeinesSchau-Spihls. [o.O.,o.V.]1730,S.40. 109 Vgl.Asper,Hanswurst.StudienzumLustigmacher.– Müller-Kampel,Hanswurst,Bernardon,Kasperl. 110 Vgl. u.a. Rommel, Die Alt-Wiener Volkskomödie. – Gustav Zechmeister: Die Wiener Theater nächst der Burg und nächst dem Kärntnerthor von 1747 bis 1776. Graz/Wien/Köln: Böhlau 1971. – Franz Ha- damowsky: Wien. Theatergeschichte. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wien, München: Jugend und Volk 1988. – Herbert Zeman: Alt-Wiener Volkskomödie. In: Horst Albert Gla- ser (Hg.):Literatur.EineSozialgeschichte.Bd.4.Reinbek/Hamburg:Rowohlt1992,S.323– 329.– Johann Sonnleitner: Hanswurst, Bernardon, Kasperl und Staberl. In: Johann Sonnleitner (Hg.): Hanswurstiaden. EinJahrhundertWienerKomödie.Salzburg,Wien:Residenz1996,S.331– 389.– JohannSonnleitner:Die Wiener Posse. Begriff und Wirkungsästhetik um 1770. In: Franz M. Eybl (Hg.): Nebenschauplätze. Rän- derundÜbergängeinGeschichteundKulturdesAufklärungsjahrhunderts.Bochum:Winkler2014.(Das achtzehnte Jahrhundert inÖsterreich28)S.137– 150.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800