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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 596 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN Empört von den Angriffen dieses Werkleins – und der gewählten mündlichkeitsnahen Sprachgebung – zeigt sich der Autor der Gegenschrift Die Gelehrten im Nasenland, der den Verfasser als Repräsentanten all jener sieht, die ihre eigentliche Bestimmung ver- gessendundohneentsprechendeBildungzurFedergriffen.HerzstückderSchrift istein Traum über das ‚ Nasenland`, ein Paradies der Gelehrten, wo sich die Geistesgrößen der Vergangenheit und jüngeren Gegenwart – erkennbar an ihren besonderen Nasen – ver- gnügen,alsplötzlicheinHanswurstEinlass fordert, aufeinemEsel sitzend,„ beydeganz mit Manuskripten, und Postbücheln, und Hetzzetteln, und Brochüren überdeckt, und behängt“ 147.Aucherbeansprucht, imtiefstenWienerDialekt, fürsich,„ aGlerter“ 148 zu sein; wird aber nach der Lektüre seiner mitgebrachten Schriften von den Geistesgrößen verjagt: Diese Worte, diese Ausdrücke, und Gedanken! – Wie, Niederträchtiger, du wagst es das Land derGelehrtendurchdeineGegenwartzuentheiligen,einesRechtsdichihresWohnhauses, sofür Männerunsersgleichengemacht ist,mitdeinemGeschmiranzumassen, fürMänner,die– Was? iwarkanGlerter?Gift saferment,mußanner iavorGall fastzueinEßigfasselwern, schauts,oes kömtsmirQuantiVerdrativor, ibinanAutor,unddermitsein langspitzigenOhrwaschelnmein Mithelfer, mein Dugatsbruader, hab'n mitsam den Diogenes, d'trauerfers, und alle Hetzzetln vor Zeiten gemacht, eh no die Friseer dran zu pfuschen angefangt. – Saferment, hättn Herrn eher kennt, hättn meiner Six in mein unsterblichen Werk nach St. Marx verschrieben. – Ich erstaunte über die Frechheit des Kerls, und noch mehr über den Maulesel, der sich da zu bäumen, und allerhand Grimassen zu machen anmaß. – Fort von hier sprach ein edler ehrwürdiger Mann – jagt ihnvorunserNasenlandhinaus,dieHändamRückengebunden.149 iwarkan] ichwärekein anner]einer oeskömts] ihrkommt QuantiVerdrati]ganzverdreht (italienisierende Scherzwendung) Dugatsbruader] Duzbruder (Verballhornung) Diogenes] Kurztitel für die (verschollene) Schrift Diogenes in der Maske d'trauerfers] die Trauerverse (auf den Tod der Kaiserin Maria Theresia), mög- licherweiseBlumauersBeitragzudenLeichengedichtenaufdenTodMarienTheresiensHetzzetln]Programme des Wiener Hetztheaters kennt] gekannt meiner Six] Bekräftigungs oskel St. Marx] ehemaliges Bürgerspital im heutigen 3. Gemeindebezirk, vor Eröffnung des ‚ Narrenturms` im Allgemeinen Krankenhaus 1784 auch Unterbringungsort fürpsychischKranke Bildung, darin lässt dieser uninspirierte Hickhack keinen Zweifel, drückt sich vorran- gig in der Sprachgebarung aus. Wer es nicht versteht, sich gewählt im Standard aus- zudrücken, oder diesen verweigert, wird mit Spott aus der Gelehrtenwelt verstoßen. Die Figur des Dialekt sprechenden Hanswurst unterstreicht insofern die gründliche Desavouierung der Substandardsprache im gelehrten Diskurs. Allenfalls als literarische Waffe,mitderdieseVerunglimpfungvorangetriebenwerdenkonnte,hattedieMundart nocheinRecht,gedrucktzuerscheinen. Was sich allerdings in den 1780er Jahren bereits als communis opinio gab, galt ei- nige Jahrzehnte zuvor im deutschsprachigen Raum noch längst nicht als ausdiskutiert. Springender Punkt des Normierungsdiskurses war zweierlei: zum einen die Frage, an welchemsprachlichenVorbildsichdiegemeinsamedeutscheSchriftspracheorientieren sollte, zumanderen, inwieweit regionaleEigenheiten(Provinzialismen) indiesenneuen 147 [Anonym]: Die Gelehrten im Nasenland, ein Traum, und Erzählung des allda erlittenen Schicksals der beydenVerfasserderneuenGestaltderNarrenversorgunginSt.Marx.Wien, [o.V.]1781,S.29. 148 Ebda. 149 Ebda.,S.30f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Titel
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Untertitel
Eine andere Literaturgeschichte
Autoren
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
652
Schlagwörter
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800