Seite - 64 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— G l - aus Quadern erbaute Thurm an der Westfront der Kirche ist uralt. Die lichte Länge der Kirche beträgt 31 M., die lichte Breite 9 M. Die Kirche, über deren Bau keinerlei urkundliche Nachrichten vorhanden sind, wurde aus der Pfarre Dechants- kirchen neugestiftet und im Jahre 1443 dem Stifte Vorau vom Erzbischof zu Salzburg P. T. Herrn von Emmersberg pleno jure einverleibt. Im Jahre 1682 brannte die Kirche ab und bei der Wiederherstellung derselben scheint die noch heute nicht be- hobene Verstümmelung des gothischen Baues durch Vermauerung des spitzbogigen Fensters und barocke Umgestaltung der Altäre erfolgt zu sein. Vom alten Friedhof schöner Blick ins Pinggau- thal. Am Platze hübscher Brunnen mit dem Stadtwappen. Das ruhige kleine Städtchen, welches bisher in communaler wie touristischer Hinsicht nur sehr primitive Einrichtungen zeigte, beginnt sich in letzterer Zeit in Folge der Thätigkeit eines sehr rührigen Verschönerungsvereines in jeder Beziehung zu heben und zu verschönern, wie auch die in Ausführung be- griffene Hochdruck-Trink- und Nutz-Wasserleitung einem lang- gefühlten Bedürfnisse Rechnung trägt, so dass sich die Zahl der Wiener Gäste, die sich Friedberg und namentlich Pinggau zur Sommerfrische wählen, stets vermehrt. Pinggau am Pinggaubache, zwischen Hügeln einge- bettet, von den von Friedberg nach Aspang und Pinkafeld führenden Strassen durchzogen, ist Wallfahrtsort und der Sitz einer nicht unbedeutenden Industrie, wodurch ein lebhafter Ver- kehr geschaffen wird. Die Industrie umfasst drei Loden- und Kotzenwerkstätten mit 3 Meistern und 40 Arbeitern, eine Bretter- und Fourniersäge und die allgemeine Verarbeitung des Holzes zu Weingartstöcken, Schindeln und namentlich Schaffein, und besteht im zur Gemeinde Pinggau gehörigen Dorfe Sinners- dorf, einer seit Jahrhunderten von Oesterreich und Ungarn hart umstrittenen steirisehen Enklave im ungarischen Gebiete, eine grosse Schaffelbinderei. Sehenswürdig die 1573 erbaute Wall- fahrtskirche Maria-Hasel (Maria in der Haselstaude). Die ersten Nachrichten über die Entstehung Friedbergs gibt uns der anonyme Leobner Chronist, welcher zum Jahre 1194 meldet, dass Friedberg vom Lösegelde Richard Löwenherz erbaut wurde.
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918