Seite - 121 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 121 — «cripten-Saal, in welchem die Handschriften und seit neuerer Zeit auch die Incunabeln (ältesten Druckwerke) aufbewahrt sind. Ein Unicum der Vorauer Manuscripten-Sammlung ist die reiche Serie liturgischer Codices*) (84 Stücke) vom Beginne des 12. bis in's 16. Jahrhundert. Eine reiche Fundgrube für kirchliche Hymnologie und die Entwicklungsgeschichte der heimischen Tonkunst, die sich noch bis tief in's 13. Jahrhundert mit den primitivsten aller Ton-zeichen, den Neumen behalf, nachdem schon nahezu zwei Jahrhunderte vorher die moderne Notentabnlatur durch Guido von Arezzo und Franco von Köln begründet worden war. Als C i m e 1 i e n unter den Vorauer Manuscripten gelten: Ein Plenar (Evangeliensammlung) Nr. 47, 12. Jahrhundert. Folio, Per-gament, einst mit Edelmetall und Kleinodien verziert. Blattgrosse Miniaturen. Darüber Seidenschleier als Schutzdecken - eine paleo-graphische Rarität. - Ein vierbändiges Antiphonar, Grossfolio, Pergament, aus einem böhmischen, von den Hussiten zerstörten Kloster, mit herrlichem Bildschmucke aus der berühmten Prager Miniatorenschule des 14. Jahrhundertes. — Als Pendant dazu drei Bände eines ähnlichen Choralwerkes von der Hand des Vorauer Chorherrn J. A. Zunggo, der das glänzend ausgestattete Werk nach mittelalterlichen Mustern 1766 als achtzigjähriger Greis vollendete. —• Eine deutsche Chronik (1467) Nr. 8, Folio, Papier, mit vielen colorirten Bildern von hohem culturgeschichtlichen Warthe, besonders für Trachtenstudien. — Ein grosses medicinisches Werk, Antido-tarius Nicolai, Nr. 213, Folio, Pergament, 13. Jahrhundert. — Eine Sammlung arabischer Manuscripte mit einer Notiz aus dem 17. Jahrhundert: „Den diergischen Hundten zu Khanischa zue geliert, aber an ietzo den Khristen." Dass \ orau, der hart an die Grenze deutschen Gebietes vorgeschobene Posten, seiner Mission: ein Hort deutscher Cultur und vaterländischer Geistesarbeit zu sein, getreulich nachgekommen, beweisen vor allem die vielen deutschen Dichtungen, die uns, theilweise noch vollständig, wie im Codex Nr. 11 (die vielgenannte Vorauer Handschrift der Kaiserchronik und andere Gedichte aus dem 11. und 12. Jahrhundert) vorliegen, theilweise leider nur mehr in Ueberbleibseln vorhanden sind. So die Fragmente des Wigalois, als Festschrift herausgegeben von Professor Dr. Schönbach 1877. Die Bruchstücke von Poesien deutscher Minne- und Meistersänger, ver-öffentlicht von Ottokar Kernstock im Anzeiger des germanischen Museums 1877 etc. Die Gesanimtzahl der Handschriften (vom Be-ginne des 12. bis zum Anfange des 16. Jahrhundertes reichend), beträgt 355 Stück. **) •) Die älteren C'horbüclier des Stiftes Vorau v. 0. Kernstock, Kirchenschmuck, 1876. Nr. 1 und f. •") Hier ist das C'horalwerk Zunggo's, weil mittelalterliche Imitation, mitgezählt.
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918