Seite - 247 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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schliesst sich nördlicli das mächtige einstige Stiftsgebäude (nun Schloss) mit seinen prächtigen durch Doppelreihen von Arcaden gezierten Hofanlagen, Eigenthum des Grafen Julius Lamberg, an. In der Mitte des Platzes befindet sich ein Wasserbassin mit laufendem Brunnen und am nördlichen Ende desselben erhebt sich in guter Spätrenaissance eine Frauen- säule, treffliche Arbeit von 1681, mit den Wappen des Stiftes und des Erbauers der Säule, Prälat Michael Josef Meister, wahrscheinlich zur Abwehr der drohenden Türkengefahr er- richtet. Rechts, an der Ostseite des Platzes, steht auch das ursprünglich sehr alte Rathhaus, wie es aus dem Brande von 1824 neu hergestellt wurde. Die einfache aber sehr ge- schmackvolle Fagade ist im Renaissance-Stile gehalten und gibt dem innen und aussen gleich musterhaft nett und rein gehaltenen Gebäude ein sehr schmuckes Aussehen. An der Front des Rathhauses befindet sich in einer Nische die aus rothem Marmor sehr zierlich gemeisselte, wahrscheinlich um 1600 errichtete Prangersäule, neben welcher früher auch die Ellen und sonstigen Masse aufgehangen waren. Weiters ist an der Front des Gebäudes eine Tafel aus rothem Marmor eingemauert, deren Inschrift uns die Ortschronik wie nachstehend meldet. „Anno 1585. Tempestas Poellensis, Pestis Nam in der Pfarr Pöllan, Acht Zehnhundert Weib und Mann, 1587 27. Juli Ain AVolkhenbruch fiel in der Pfarr, Hat Hauss, Holz, Grund vil er-trenkht gar. — 1589 19. Juli Gross Feuer in Markht Pöllau war, Hat Viertzig Häuser abgeprennt gar. — 1599 20. Nov. Wie man zölt gleich Neinzig und Nein, finf Hauss im Markh abreue sein. — 1599. Dis Jar Pestis kham in die Pfarr, zwölfhundert es bracht in die Paar. Lucas Zaerl Modo Judex Pollensis Fecit Cal. Junii Me fieri MDC. M. W." Betreten wir das Rathhaus, so finden wir zunächst in der Vorhalle eine Uebersichtstafel über die von mehreren Herren in Pöllau im ganzen Bezirke, und zwar zuerst in der ganzen Oststeiermark durchgeführten Wegmarkirungen, und im Amtslocale die grossen, musterhaft verfassten Detail- und Situationspläne des Marktes, sowie die Ortschronik, beides Dedicationen des k. k. Hauptmannes Alphons Egle an die Marktgemeinde. Im ersten Stocke befindet sich der Raths-
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918