Seite - 252 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 252 — besten zählen, die Steiermark überhaupt zu bieten hat. Eine Welt kühnster architektonischer Gliederungen und fantastischer Orna-mentik, umschlungen von reizenden Laubgewinden und Fruchtfestons liess Mathias von Görz hier erstehen, um diesen von ihm hinge-zauberten Wunderpalast mit der Glorie des Himmels zu beleben, welche gewaltige Compositionen mit den in dem Kuppelraume dar-gestellten, aufschwebenden Schaaren der 9 Chöre der Engel ihren künstlerischen Höhepunkt erreichen. Was die einzelnen Theile der Kirche betrifft, so finden wir: 1. um das Hauptgesimse, am ganzen Schiffsgewölbe fortlaufend eine Arkadenstellung mit Kolossaldarstellung von Heiligen; 2. am Tonnengewölbe des Hauptschiffes die Glorie des Himmels mit einer zahllosen Schaar Heiligen; 3. ober dem Hauptaltare Erhebung des hl. Yeit in den Himmel; 4. am Musik chor, musi-cirende Engel und Scenen, auf die Stiftung der Kirche sich be-ziehend; 5. in den Emporen 30 Darstellungen aus dem neuen Testamente; 6. an den Kapellen wänden Bilder, auf das Leben des betreffenden Altarheiligen Bezug habend; 7. an den vier Zwi-ckeln der Kuppel die vier Evangelisten; 8. in der Kuppel die neun Chöre der Engel. Mathias v. Görz hat an Regie-rungsrath Prof. Wastler einen ausgezeichneten Biogra-phen gefunden, welcher sein Urtheil über diesen Künstler in nach-stehenden Worten zusammenfasst: „Görz hat als Frescomaler einen kecken geistreichen Pinsel, der auf den ersten Blick die venetia-nische Schule erkennen lässt, flüchtige Zeichnung, etwas zu grosse Köpfe, das Colorit aber immer interessant. Besonders schön malt er Blumen, die er auch überall mit Vorliebe anbringt und bei wel-chen er eine an niederländisches Stillleben erinnernde Wirkung selbst im Fresco erreicht." Die sehr schöne Orgel, 1739 angeschafft, hat 2 Manuale, 24 Register und 1461 Pfeifen. Die grosse Glocke, „Veitsglocke", wiegt 44 Centner 10 Pfund. Von den Bildern der Kirche verdienen besondere Beachtung: Ein schönes Kreuzbild von Altomonte in der dritten Kapelle links, ein kleines Bild vom h. Josef in der ersten Kapelle rechts, und das Altarbild im linken Querscbiffe, das Rosen-kranzfest 1722 von Hackhofer gemalt (bestes 0elbild dieses Meisters). Das grosse Hochaltarblatt (St. Veit) wurde 17S8 von Mölk gemalt. Auch der grosse Metall-Luster zu 24 Kerzen verdient seiner schönen Arbeit wegen Beachtung. Interessante Grabsteine: 1. goth. Grabstein des Hanns v. Neuberg f 1503 (dessen sowie seiner Schwester Leiche in der Kirche beigesetzt sind); 2. goth. Grabstein Ulrichs von Trautmannsdorf; 3. colorirtes Epitaphium des Prälaten Michael Josef Meister f 1696 und des Prälaten Michael Praitliofer f 1641. — Genau unter dem Mittelpunkte der Kuppel gibt jedes Wort ein achtfaches Echo.
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918