Seite - 257 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande
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Vorhalle und die darüber liegende Empore erschliessen sich mit je
drei spitzbogigen Durchlässen gegen das Innere der Kirche, deren
Schiff wieder 6 Stufen höher liegt, wie die Vorhalle. Die Länge der
Kirche beträgt 37-30 M., ihre lichte Breite 13-80 M. Das Schiff
der Kirche wird durch drei ungemein schlanke, 12-35 M.
hohe Pfeiler in zwei gleiche Theile getheilt, und
corre-spondiren
die Pfeiler mit Bündeln von je 5 Diensten an den
Lang-wänden,
welche vereint die 17-50 M. hohen spitzbogigen
Rippen-gewölbe
tragen. Ungemein interessant ist der Uebergang des
zwei-schiffigen
Kircheninnern zu dem Achteck des durch vier luftige Pfeiler
in drei Schiffe getheilten Chorschlusses, wodurch sich streng
geome-trische
Formen ergeben, leider ist die edle Schönheit dieser
archi-tektonischen
Gliederung derzeit, durch den weit später entstandenen
unförmlichen Altarbau, vollends entstellt. Dieser Altarraum ist
aber noch weiters ganz besonders durch umlaufende
Blenden mit Steinbänken decorirt, und überraschen diese
Blenden und namentlich die Session durch die reiche Detailbildung
der aus Spitzbogen, Fialchen, Krappen, Kreuzblumen und Baldachinen
bestehenden Bekrönung und Bedachung. Aber auch damit begnügte sich
der Baumeister in dem Bestreben einer möglichst reichen Decoration
des Baues nicht und so finden wir, wo es nur immer thunlich war, so
namentlich an den Diensten, noch überall Consolen, von schönen
Baldachinen überragt, und die Schlusssteine der Gewölbrippen mit
Schildern geziert. Die nur südlich und östlich angebrachten Fenster
zeigen noch in den Verhältnissen wie im Masswerk den edlen Charakter
der Gothik der Mitte des 14. Jahrhunderts. Leider haben der Brand
von 1074 und spätere Stilwandlungen die Innen- wie die
Aussen-wirkung
der Kirche in ungünstigster "Weise beeinflusst: so entstellt
schon der hölzerne, ganz unpassende Thurm (an Stelle des alten)
die Facade, während die Innenwirkung des Kirchenbaues durch den
Einbau einer zweiten Musikempore und durch stilwidrige monströse
Altarbauten im hohen Grade beeinträchtigt wird, endlich verschwanden
auch die feinprofilirten Gliederungen der Baldachine und Spitzbogen
ober den umlaufenden Mauerbänken in Folge wiederholten Weissens
unter einer dicken Kalkkruste. Aber selbst in ihrer
Ver-stümmelung
zählt die Kirche zu Pöllauberg zu den
schönsten, edelsten gothischen Kirchenbauten des
Landes und liegt hoffentlich die Zeit nicht mehr ferne, wo die seit
einem Decennium angestrebten Restaurationsarbeiten energisch in
Angriff genommen werden.können.
Pöllauberg ist Wallfahrtsort, und sorgen drei Wirths-
häuser für des Leibes Wohl. Auch eine Schule befindet sich
hier für die Kinder der Gemeinde Pöllauberg. Hier wurde am
8. Juli 1821 Jakob Gschiel, der Altmeister der
steirischen Bildhauer, geboren, in dessen Werkstätten
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Die nordöstliche Steiermark
Eine Wanderung durch vergessene Lande
- Titel
- Die nordöstliche Steiermark
- Untertitel
- Eine Wanderung durch vergessene Lande
- Autor
- Ferdinand Krauss
- Verlag
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- Ort
- Graz
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 10.93 x 17.9 cm
- Seiten
- 498
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918