Seite - 299 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande
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Rückwärts ist die Schlossanlage, in welche auch ein grosser
festungs-artig
gebauter Schüttkasten einbezogen ist, gleichfalls durch mehrere
kleinere Rundthürme geschützt. Ein Vergleich mit der Vischerschen
Ansicht von 1680 zeigt, dass sich seither äusserlich an diesem Baue
nahezu gar nichts geändert hat. Im Innern birgt dieses Schloss keine
Sehenswürdigkeiten, da der gegenwärtige Besitzer Graf Wimpffen,
dem auch das nahe Eichberg gehört, alle Kunstschätze im Schlosse
Kainberg vereint hat. Die Herrschaft, zu welcher jetzt ein
Grund-besitz
von 439 Joch 500 Quadratklafter (252 6 Hektar) gehört, war
früher im Besitze der Edlen von Zebing, die urkundlich zuerst
1169 mit Heinrich v. Zebing genannt werden. Ende des 17.
Jahr-liundertes
ging dieselbe an die Grafen Wurmbrand und von diesen
erst in jüngster Zeit an Franz Graf Wimpffen über. Von Franz
Graf Wimpffen vererbte sich dieselbe an seinen Sohn Victor Graf
Wimpffen, dem derzeitigen Besitzer des Schlosses.
Von Reitenau zieht der Weg nun allmählig nordwestlich
an dem nördlichen Gelände des Masenberges aufwärts und
jenseits hinab nach Vorau, immer mit schönen Ausblicken nach
Nordost.
2. Hartberg - Grafendorf-Kirchberg-Vorau,
gelb markirt, eigentlich nur eine Variante des früher genannten Weges.
Dieser Weg erlaubt den 1 V2 Stunden langen Weg nach
Grafendorf zu fahlen, eventuell mit der Post, worauf man von
Grafendorf in 30 Minuten das Schloss Kirchberg am Walde
erreicht. (Der Weg von Hartberg über Reitenau nach
Kirchberg ist ermüdend, daher diese Variante für bequemere
Fussgeher vorzuziehen.) Das Schloss Kirchberg, viel ge-
nannt bei den Türken- und Kuruzzen-Einfällen, bei welchen
es wiederholt erstürmt und niedergebrannt wurde, liegt auf
dem Kamme eines beiderseits jäh abstürzenden Hügelrückens,
und bildet das zweistöckige, schmucklose Gebäude ein unregel-
mässiges Viereck.
Ober dem Thore das Auersperg'sche Wappen, von einer eisernen
Ordenskette umgeben. Das Schloss, zu welchem man durch eine alte
Lindenallee hinanschreitet, war einst von einer prächtigen
altfranzö-sischen
Parkanlage, an welcher noch vielfach steinerne verschnörkelte
Urnen und Reste mythologischer Statuen erinnen, umgeben, während
heute hier nur rein landwirtschaftliche Zwecke gepflegt werden.
Ueber die ersten Besitzer des Schlosses fehlen alle Nachrichten. Im
15. Jahrhunderte sollen es die Zebinger, die auch Reitenau besassen,
Die nordöstliche Steiermark
Eine Wanderung durch vergessene Lande
- Titel
- Die nordöstliche Steiermark
- Untertitel
- Eine Wanderung durch vergessene Lande
- Autor
- Ferdinand Krauss
- Verlag
- -
- Ort
- Graz
- Datum
- 1888
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 10.93 x 17.9 cm
- Seiten
- 498
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918