Seite - 313 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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313 — bau verein es für die nordöstliche Steiermark sammt Hopfen- versuchsgarten, und dieBezirksobstbaumschule mit circa ,10.000 Bäumchen. In der Bevölkerung überwiegt das weibliche Geschlecht um nahezu 500 Seelen in Folge der vielen, in der Tabakfabrik beschäftigten Mädchen (circa 1800) das männliche. Unter den 4000 Einwohnern sind circa 100 evangelischer Religion. Fürstenfeld hat, wie bisher keine zweite Stadt Steier- marks in dem Masse, in dem Bürgerschuldirector Hans Lange einen Chronisten gefunden, der auf Grund des von ihm ge- sichteten urkundlichen Quellen-Materiales in einer Reihe Publi- cationen und namentlich in seiner „Chronik von Fürstenfeld" eine Geschichte der Stadt verfasst hat, die, sich durch ihre eingehende Behandlung des Zunftwesens, des Gerichtsverfahrens im 17. Jahrhundert, vieler Rechtsstreitigkeiten etc. weit über den Umfang und Werth einer Localchronik erhebend, einen überaus werthvollen Beitrag zur Cultur-, Rechts- und Sitten-Geschichte der Steiermark bildet. Wir ent- nehmen dieser interessanten Chronik nachstehende historische Daten: Geschichte der Stadt, Das Geschlecht der Edlen von Fürstenfeld (Fiirstenveld) wird urkundlich 1202 zuerst erwähnt, während aus der Bestätigung der uralten, den Bürgern in Fürstenfeld vom Herzog Leopold VI. dem Glorreichen (reg. 1198—1230) gewährten Privilegien durch Kaiser Rudolf I. 24. Februar 1277, hervorgeht, dass auch schon um das Jahr 1200 Fürstenfeld ein geschlossener Ort war. Das Siegel der Stadt zeigt die uralte seltene Dreieckform und stammt aus der Zeit um 1296. Gleichzeitig mit den ersten historischen Nachrichten über die Stadt taucht auch der hier sess-hafte Johanniter- oderMaltheser-Orden (1048 zu Jerusalem gegründet) auf, welcher sich manche Eingriffe in die Vorrechte der Stadt erlaubte und dadurch zu vielen Streitigkeiten Anlass gab. — Im Jahre 1278 siedelten sich hier Juden an, aber schon 1312 brach hier eine blutige Judenverfolgung aus, entstanden durch das alte Märchen, dass ein Jude in Fürstenfeld eine Hostie durchstochen hätte, wobei aus den 10 Stichmalen Blut geflossen wäre, und dehnte sich diese Juden-verfolgung über ganz Steiermark und Kärnten aus. Schon im 13. und 14. Jahrhundert erhielt die Stadt sehr wichtige landesfürstliche Privilegien, meist in Zoll- und Mauthfreiheiten für ihre handel- und gewerbetreibenden Bürger bestehend, die die Stadt gegen die Ein-griffe des Johanniter-Ordens und des Adels immer mit grösster Energie zu vertheidigen wussten. Im Jahre 1362 beginnen die Ver-
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918