Seite - 336 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 336 — amt untergebracht ist. Das traurigste Bild vom Verfalle dieser einst so bedeutende Grenzvesten bietet der ehemalige zierlich gepflegte Lustgarten, einer der schönsten der steirischen Schlösser, nach alt-französischem Geschmacke angelegt, dessen ruinöse Umfassungsmauer jedoch heute nur mehr Hopfenfelder einschliesst. Die Pollheim besassen auch das nahe Neudau, welches sie von den Neuberg erbten; das Geschlecht, dessen Stammschloss auf dem Leibnitzer Berge bei Seckau lag, war in Steiermark reich begütert, wie auch Raspach in Oestreich und Güteis in Kärnten den Pollheim gehörten. Nach dem Tode des letzten Neubergers, dem Stifter des Stiftes Pöllau, erhoben die Pollheim einen langwierigen Erbstreit mit dem Chorherrenstifte Pöllau. — Der letzte dieses Stammes war Maximilian; dieser liess auf das bevorstehende Erlöschen seines Hauses eine Medaille mit einem sehr sinnreichen Bilde prägen; sie ist von Silber und hat die Grösse eines Guldenstückes, der Avers zeigt das Brustbild eines Ritters im Wamms mit breitem Halskragen und Spitzbart, und die Legende: Maxim. Her z. Pollhaim u. Raspach. a. 42 (d. h. im 42. Jahre seines Lebens); der Revers zeigt einen Baum, welcher auf der einen Seite schon ganz entwurzelt ist, an einem dürren Aste hängt das Wappen der Polheim mit der Krone, daneben ist ein Kopf, mit vollen Backen aus den Wolken auf den schon stürzenden Baum blasend, dessen Stamm gebrochen und dessen Krone im Sinken ist, auf der andern Seite spriessen drei Todten-blumen aus dem Boden, dabei die Umschrift: „Mea sorte contentus, MDCXV." — ich bin mit meinem Lose zufrieden, 1615. Diese äusserst seltene Medaille ist im Besitze des historischen Museums (Münz- und Antiken-Cabinet) in Graz. Im Jahre 1565 verkauften die Pollheim jedoch die Herrschaft Burgau an die Trautmannsdorf, die sie bis 10. August 1762 im Besitze behielten. Auch an diese Besitz-periode erinnert ein Inschriftstein und das Wappen ober dem Thore des Thurmgebäudes. Die Inschrift lautet: „Maximilian Graf von Trautmannsdorf und Weinsberg, Ritter des gold. Vliesses, röm. kais. Majestät Ferdinand III. geheimer Rath, Kämmerer und Obersthof-meister." Am 10. August 1762 ging die Herrschaft um 72.000 fl. durch Kauf an Adam Graf Batthyanv über. Dieser übergab schon 1770 seine Güter seinen drei Söhnen, Franz-, Johann und Karl, wobei Burgau nebst anderen Besitzungen an Karl Graf Batthyany fiel, welcher Besitzer 1789 (nach einer anderen Mittheilung anfangs 1780) die erste Baumwollspinnerei im österreichischen Staate errichtete. Er starb den 20. Jänner 1814, unverehelicht, und fielen seine Güter seinen Brüdern Franz und Johann zu. Johann überliess die Ver-waltung Franz, welcher als kinderloser Witwer im März 1821 starb. Hierauf gelangte Graf Johann Batthyany, und nach dessen im Jahre 1831 erfolgten Tode seine Witwe in Besitz der Güter. Mit dem im Jahre 1839 erfolgten Tode dieser Witwe fielen, da keine männlichen Nachkommen vorhanden waren, alle Graf Adam Batthyany'schen
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918