Seite - 391 - in Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande

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— 391 der Burg mit einer landesfürstlichen Besatzung nicht verhindern konnte, wohl aber der Uebertragung des Commando's an einem ihr unbequemen Officier begegnete. Kapell fiel jedoch in der Schlacht bei St. Gotthardt im Jahre 1664 und Frau Katharina Elisabeth war nun abermals „Wittib". In dieser Zeit erreichte sie von den Ständen, dass sie wenigstens die Verpflegung der Besatzung bestritten. Schon nach 10 Monaten war jedoch die nun schon 58jährige Wittib aber-mals vermählt und zwar mit Hanns Rudolf Freiherrn v. Stadl. Diese Ehe war aber eine unglückliche, und musste die stolze „Gallerin" zuletzt die rohesten Misshandlungen von Seite ihres um mehr wie 30 Jahre jüngeren Gemahls erdulden. Diese Umstände führten zur Scheidung, worauf die Gallerin ihre ganze Liebe ihrer einzigen, aus ihrer ersten Ehe hervorgegangenen Tochter Regina (Frl. Regerl), die an Johann Ernst Freiherrn v. Purgstall vermählt war, zuwandte und auch mit Testament vom 31. Mai. 1669 die Herrschaft Riegers-burg dieser ihrer Tochter und ihren Leibeserben vermachte. So kamen nach dem am 12. Februar 1672 erfolgten Tode der Freiin Katharina Elisabeth ihre Besitzungen an die Purgstall, und zwar zunächst an dem Erbauer der ausgedehnten Befestigungen und Vor-werke Johann Ernst, seit 9. December 1670 Graf v. Purgstall. Nun blieb die Riegersburg in dem Besitze der Purgstall bis zum Erlöschen dieses Geschlechtes mit Wenzel Raphael v. Purgstall am 7. Jänner 1817. Die Erben verkauften hierauf in öffentlicher Versteigerung die Herrschaft Riegersburg sammt dem Schlosse am 28. October 1822 um 150.000 fl. an Fürst Johann v Liechtenstein, der dieselbe wieder zum Secundogenitur-Fideicommisse bestimmte und im Jahre 1836 seinem Sohne Franz Fürst von Liechtenstein hinterliess, von welchem es in direct absteigender Linie an den derzeitigen Fidei-commiss-Besitzer Alfred Fürst Liechtenstein überging. Mit dem Besitz^ antritte Alfred Fürst Liechtenstein^, der erst vor wenigen Jahren erfolgte, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach die herrliche Burg-veste, die Perle der steirischen Schlösser, die einst zu Gunsten Hollenegg's so grausam beraubt wurde, zu neuem Leben, zu neuer Bliithe erwachen; schon macht sich überall ein regeres Tempo in der Wiederherstellung der einst so prunkvollen Innenräume bemerkbar und alle Kunst- und Vaterlandsfreunde könnten es gewiss nur dank-barst begrüssen, wenn der neue Fideicommiss-Besitzer sich unent-wegt die Wiederherstellung der stolzesten Burgveste des Landes, und damit die Vollbringung einer wahrhaft patriotischen und echt fürstlichen That zum Ziel setzen würde. Umgebung. Die Umgebung Riegersburgs, welches sich auch als Sommerfrische sehr gut eignet, ist reich an schönen Nadelholz- wie Buchenwäldern, und erschliessen sich daher viele schattige Spaziergänge durch den Hauswald, den Ilaupt- pfarrwald und durch die Santen nach Hofberg, nach Breiten-
Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Titel
Die nordöstliche Steiermark
Untertitel
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Autor
Ferdinand Krauss
Verlag
-
Ort
Graz
Datum
1888
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
10.93 x 17.9 cm
Seiten
498
Kategorien
Geschichte Vor 1918