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Olivia Gruber Florek
The Absent Empress
Photomontage, Monarchy, and Celebrity in the Nineteenth Century
Diese Arbeit untersucht, wie die Ansprüche der Monarchie und jene der Berühmtheit innerhalb
des Mediums der Fotomontage-Porträts der Habsburger Familie aufeinanderprallten. Die Erfin-
dung der Carte de Visite-Fotografie führte bei kaiserlichen Familien zu großer Begeisterung für
Fotografien, aber Kaiserin Elisabeths Abneigung, für solche Bilder zu posieren, begrenzte die
Teilnahme der Habsburger an diesem neuen Medientrend. Ähnliche Familienporträts hatten sich
für andere Monarchien als wirksame Propaganda bewährt und die Habsburger brauchten diese
Bildersymbolik, um ihr öffentliches Image zu stärken. Zur Kompensierung der visuellen Abwe-
senheit Elisabeths gab der Habsburger Hof Bilder in Auftrag, die einzelne Fotografien der Habs-
burger Familie zu zusammengesetzten Portraits arrangierten. Die Größe und die visuelle Sprache
der Carte de Visite-Fotografien nachahmend, aber die Erzählungen kaiserlicher Porträtmalerei be-
inhaltend, boten diese Objekte dem Betrachter intimen Zugang zum persönlichen Leben ihrer
Herrscher, während auch auf die
Einzigartigkeit
der Habsburger Familie
bestanden wurde. Dieses
Paradox
der
Intimität
und
Distanz
war
von
zentraler
Bedeutung
für
die
Entwicklung
der
Berühmt-
heit, indem die Habsburger Fotomontagen bei der Visualisierung eines größeren Phänomens des
19. Jahrhunderts eine aktive Rolle spielten. Eine genaue Betrachtung zeigt die Unstimmigkeiten
der Bilder durch Montage aus inkongruentem fotografischem Quellenmaterial auf. Die fortge-
setzte Produktion solcher Gegenstände bis zum Ende des Jahrhunderts deutet darauf hin, dass
diese Unstimmigkeiten von den Betrachtern der Bilder vermutlich deshalb hingenommen wurden,
weil sie durch sie einen Zugang zur zunehmend abwesenden Kaiserin erhielten.
The 1854 invention of carte de visite photography dramatically changed expectations
for monarchical portraiture. While traditional oil paintings remained the medium of
choice for official state portraits, most subjects gained familiarity with their rulers’
likenesses through these small, photographic portraits, which were produced by the
million during the second half of the nineteenth century.1 The Habsburg response to
this new media reveals their investment in the concurrently evolving phenomenon of
celebrity, as well as their ability to manipulate the technical capabilities of photogra-
phy to best suit their propagandistic aims.
In 1861 Emperor Franz Joseph posed for a carte de visite portrait with his two
young children Archduchess Gisela and Crown Prince Rudolf (Fig. 1).2 The physical
contact of Franz Joseph with his children suggests a tender intimacy: Rudolf sits in his
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918