Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 99 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 99 - in Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918

Bild der Seite - 99 -

Bild der Seite - 99 - in Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918

Text der Seite - 99 -

Vom patriotischen Volkslied zur nationalen Kaiserhymne 99 save Great George our King“ heißt es nun „Gott! erhalte Franz den Kaiser / Unsern guten Kaiser Franz“. Alle vier Strophen sind in ähnlicher Textparallelität angelegt.14 Weniger ‚vorbelastet‘ in seinem überzogenen Patriotismus erscheint der Komponist Joseph Haydn, schon damals eine überaus beliebte und hoch angesehene Persönlich- keit der Wiener Gesellschaft. Ganz konnte er sich den Kriegsereignissen allerdings nicht entziehen: Im selben Jahr 1796 komponierte er seine Missa in tempore belli (Hob XXII:9), die er im Agnus dei mit Pauken und Trompeten besetzte, um das He- ranrücken des Feindes zu suggerieren. Haydns musikalische Vertonung des Texts von Haschka ist dem englischen Vorbild weniger nah angelehnt, sondern geht vielmehr eigene Wege.15 Wenn Saurau in dem Schreiben an Dietrichstein die neue Hymne als „unser Volks- lied“ bezeichnete, dann ist damit freilich nicht der von Herder eingeführte Begriff gemeint, der in der später ansetzenden akademischen Diskussion um das sogenannte Volkslied eine zentrale Rolle spielte.16 Hier wurde ‚Volkslied‘ im ganz wörtlichen Sinn verstanden, als ein Lied des Volks, bzw. ein Lied, das das Volk singen sollte – auch wenn es, im Gegensatz zur ‚echten‘ englischen Volkshymne, mit politischem Kalkül von höchster Stelle verordnet wurde. Die Uraufführung: Präsenz und Präsentation Vieles spricht dafür, dass Graf Saurau unter dem Aspekt von größtmöglicher öffent- licher Aufmerksamkeit Ort und Zeitpunkt der Uraufführung schon von Anfang an mitkonzipiert hatte. Das Theater war damals die erste Institution, in der Adel und gehobenes Bürgertum sich in großer Zahl und kultivierter Umgebung zusammen- fanden. Dort konnte auch der Kaiser hautnah erlebt werden, wenn er zu speziellen Veranstaltungen oder besonderen Festen persönlich erschien. Diese Konstellation war keine besondere Wiener Erscheinung, sondern war auch in England und ande- ren europäischen Monarchien üblich. Auch God save the King wurde, wie schon erwähnt, erstmals in einem Theater aufgeführt, und die preußische Adaption der Hymne Heil Dir Im Siegerkranz erfuhr ihre erste öffentliche Präsentation am 5. Mai 1795 im Berliner Nationaltheater, zur Geburtstagsfeier des Königs.17 In Wien wurde der anstehende 29. Geburtstag des Kaisers am 12. Februar 1797 auserwählt und seine Anwesenheit im Burgtheater genützt, um das neue ‚Volkslied‘ zur Uraufführung zu bringen. Haydn selbst kümmerte sich um eine ‚Theaterfassung‘, die er neben der textierten Originalmelodie und einem Chorsatz gleich mitlieferte. In dieser Fassung, die er selbst mit „Volks Lied“ überschrieb, ließ er das volle Orchester mit einem länger ausgehaltenen Akkord beginnen und bemerkte dazu: „Die allererste Note wird nur anfangs gespielt um dem Volk den Ton zu geben.“ (Abb. 1)
zurück zum  Buch Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918"
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
Geschichte Vor 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur