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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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Vom patriotischen Volkslied zur nationalen Kaiserhymne 101 ist hier bloß der Adressat des Liedes, der in seiner persönlichen Präsenz jedoch die beste Voraussetzung für die spätere Repräsentationsfunktion der Melodie schuf. Die Parallelaktionen: Re-Präsentation Dass aus der verhältnismäßig intimen Situation der Uraufführung ein hochoffizieller Akt wurde, dafür zeichnete wiederum Graf Saurau verantwortlich. Im Stil einer Mu- sil’schen ‚Parallelaktion‘ versandte er noch rechtzeitig vor dem 12. Februar einen rasch hergestellten Erstdruck des Lieds (Abb. 2) an alle anderen Wiener Theater sowie an viele größere Städte des Reichs, verbunden mit der Aufforderung, „die Wünsche des ganzen Volkes [mögen] an dem nämlichen Tage für die Erhaltung seiner Majestät erschallen.“21 Wie de facto die rasche Distribution der Hymne bis in die letzten Ecken des Reichs organisiert wurde, erhellt sich aus dem Grazer Präsidialgeschäftsprotokoll vom 3. Feb- ruar 1797. Demnach schickte Saurau Musik und Text in die steirische Landesstelle, die mithilfe eines Circulars die Aufforderung, „dieses Lied auch hierlande mit möglichster Feierlichkeit absingen [zu] lassen“, umgehend an alle Kreisämter weiterleitete.22 Aus einem Bericht der Wiener Zeitung erfahren wir, dass dieser Anweisung pflicht- getreu gefolgt wurde. Gleichzeitig mit dem sozusagen ‚Ur-Festakt‘ im Burgtheater wurden auch in Graz, Judenburg, Leoben, Innsbruck, Prag sowie östlich von Wien, in Brünn, Krakau, Ofen, Pest und vielen weiteren Städten Feierlichkeiten zum Ge- burtstag des Kaisers inszeniert, in deren Rahmen Haydns Hymne erklang.23 Die Wiener Situation wurde dadurch gleichsam nachgestellt und ihr Effekt multipliziert: Man feierte ebenfalls in einem Schauspielhaus (sofern eines vorhanden war)24, setzte ein inhaltlich passendes Stück auf den Spielplan und sang zum Beginn oder zum Abschluss der Veranstaltung das ‚Volk’s Lied‘, das nun freilich nicht an eine phy- sisch vorhandene Person adressiert werden konnte. In Triest war Erzherzog Ferdinand Karl anwesend und nahm als Mitglied der kaiserlichen Familie stellvertretend die Glückwünsche entgegen. In anderen Städten, wie etwa in Innsbruck, stellte man ein Bild von seiner Majestät auf, das man ansingen konnte, und in Graz und Judenburg wiederum schmückte man eigens dafür die Bühne. In der steirischen Landeshaupt- stadt war es eine – leider nicht genauer beschriebene – allegorische Dekoration, in Judenburg „verwandelte sich die Bühne in eine ländliche Gegend, in deren Mitte auf mit Rosen umwundenen Säulen, ein Tempel sich zeigte, der niedlich beleuchtet war.“25 Damit abstrahierte sich der ursprüngliche Akt der Gratulationsgeste und löste sich von der unmittelbaren Situation des Gegenübers. Die Anwesenheit des Kaisers musste imaginiert werden, sei es durch persönliche Stellvertreter, durch ein ausge- stelltes Porträt oder durch eine allegorische Dekoration. In Verbund mit Repräsenta- tionselementen aus anderen Künsten – der Literatur, der bildenden und der darstel-
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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