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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 106 -
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106 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation Verbreitung und Popularisierung Um das Kaiserlied aus seinem konstruierten Rahmen und seiner zunächst eindimen- sionalen politischen Funktion zu lösen, musste die Melodie auch in breiten Bevölke- rungsschichten und bei anderen sozialen Gruppen Eingang finden. Dass dieses Ziel rasch erreicht wurde, bezeugen Passagen aus den sogenannten ‚Eipeldauer Briefen‘, die in satirischem Ton aus dem Wiener Alltagsleben berichten. Schon bei der Be- schreibung der Uraufführung erwähnte der Autor, dass das Lied bereits „in allen Gesellschaften und öffentlichen Oertern gsungen und von allen Fräulein aufn Klavier gspielt“ wird.33 Zahlreiche Verlagsankündigungen von entsprechenden Bearbeitun- gen bestätigen die rasche Distribution in private Salons bereits vom ersten Jahr seiner Entstehung an.34 Auch Haydn selbst trug zur Popularisierung der Hymne bei. Nicht nur, dass seine Autorschaft als ‚berühmtester Tonsetzer‘ seiner Zeit an sich schon ein Qualitätsurteil bedeutete. Schon kurz nach der Entstehung nahm er die Melodie zur Grundlage des Variationensatzes eines Streichquartetts35 – später Kaiserquartett genannt – und eroberte damit die Adelssalons und das gehobene Bürgertum. Eine von ihm selbst erstellte Klavierfassung des Variationensatzes erweiterte den Rezipien- tenkreis der einkomponierten Melodie zusätzlich.36 Der von Grasberger und späteren Autoren vertretenen Ansicht, dass die Kaiser- hymne zwar schnell beliebt wurde, bald aber ihre politische Funktion und damit ihre repräsentative Kraft wieder verlor37, muss aufgrund der recherchierten Zeitungsmel- dungen widersprochen werden. Schon Anfang Juli 1797 war sie bei der Musterung der kroatischen Miliz in Agram nach der Fahnenweihe erklungen und „erweckte in allen Gemüthern Rührung und Enthusiasmus“.38 Drei Monate später, am 8. Novem- ber 1797, fanden in Graz Feierlichkeiten zur gut überstandenen Belagerung durch das französische Heer statt, die mit einer Abendveranstaltung im Theater schlossen. Man gab „unter prächtiger Wachsbeleuchtung“ die Stücke Der dankbare Sohn und Der Bürgermeister, dazwischen „sang das ganze versammelte Publikum das Volkslied: Gott erhalte den Kaiser! mit vieler Rührung des Dankes zu Gott, um die Erhaltung des guten Fürsten.“39 Aus dem folgenden Jahr gibt es einen Bericht aus Korneuburg, wo die Kaiserhymne im Rathaus unter Anwesenheit eines Regierungsrats, des Stadt- magistrats und vieler Zuschauer zur Ehrung von vier Männern gesungen wurde, die sich beim Ausbruch einer Seuche durch ihren persönlichen Einsatz verdient gemacht hatten. Auch dabei war „manches Auge voll Thränen des Dankes und der Liebe gegen unseren Monarchen“.40 Dass mit dem Lied nicht nur emotional der Kaiser, sondern über die Person des Kaisers auch sehr bald sein Reich repräsentiert wurde, lässt eine Komposition von Antonio Salieri erkennen. Noch vor der Jahrhundertwende, 1799, komponierte der
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
Geschichte Vor 1918
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