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Selbstdarstellung und höfische Repräsentation 117
aussetzung bildete.4 Die Rolle der Venus ist auf die Kaiserin Maria Theresia bezogen,
welche die Ehe gestiftet hatte, jedoch nicht zur Hochzeit nach Mailand gekommen
war. Die Kaiserin wurde mittels einer allegorischen Darstellung glorifiziert. Denn
Venus führt durch das Spiel und trifft die Entscheidungen, während sich Ascanius –
und das ist ein wichtiger allegorischer Aspekt – als gehorsamer Sohn gibt. Auf Befehl
der Venus wird eine neue Stadt gegründet, in der Ascanius regieren wird: „Qui no-
vella città sorger vedrete / de la diva, e del figlio opra sublime.“ [„Hier werdet ihr eine
neue Stadt entstehen sehen als erhabenes Werk der Göttin und des Sohns.“]
Der Text ist voller Anspielungen und allegorischer Reden, die Maria Theresia und
ihre angeblich kluge Regentschaft preisen. Bereits der Eingangschor von Genien und
Grazien („Di te più amabile“), enthält eine deutliche Anspielung auf ihren Edelmut
und ihre aufgeklärte Denkweise sowie auf die aktuellen politischen Bestrebungen des
europäischen Ausgleichs:
Geni e Grazie
Di te più amabile,
né dea maggiore,
celeste Venere,
no, non si dà.
Tu sei degli uomini,
o dea, l’amore:
di te sua gloria
il ciel si fa.
Se gode un popolo
del tuo favore,
più dolce imperio
cercar non sa.
Con fren sì placido
reggi ogni core,
che più non bramasi
la libertà. Genien und grazien5
Keine ist liebreicher,
höher als du
unter den Göttinnen,
himmlische Venus.
Du bist die Liebe
der Menschen, o Göttin,
des Himmels Ruhm bist du.
Kein süßeres Reich
sucht sich ein Volk,
steht es in deiner Gunst.
Mit sanftem Zügel
lenkst du jedes Herz,
so dass die Freiheit
es nicht mehr begehrt.
Die Göttin Venus hält die Fäden der Handlung in Händen, ebenso wie die Kaiserin
damals zur Regisseurin der fürstlichen Hausmachtpolitik durch ehelich motivierte
Zweckbestimmungen wie die Hochzeit zwischen Ferdinand Karl und Maria Beatrice
wurde. Letztere trägt die Züge einer weiteren wichtigen Partie der Serenata: Mit
Silvia wird schließlich auf die Braut angespielt; der Chor der Hirten und Hirtinnen
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918