Seite - 119 - in Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Bild der Seite - 119 -
Text der Seite - 119 -
Selbstdarstellung und höfische Repräsentation 119
[„dieser große König, der stets gewohnt war, eine Welt von Waffen auszusenden, um
den Frieden zu schenken“]) und auf Vittorio Amadeo II. von Piemont-Sardinien („di
quell’eroe che, dopo d’averci dato la pace, scende come fulmine di guerra per ristabi-
lirla“ [„von jenem Helden, der, nachdem er uns den Frieden gegeben hatte, wie ein
Blitz des Krieges herabsteigt, um den Frieden wiederherzustellen“]) hingewiesen, die
eine entscheidende Rolle im Spanischen Erbfolgekrieg spielten.
Philipp V. kann mit der Figur des Ascanius verglichen werden, da er nach dem
Aussterben der spanischen Habsburger (Karl II. starb 1700) die spanische Linie des
Hauses Bourbon begründete. Auf den feierlichen Entstehungsanlass der Oper ist die
spektakuläre Anlage des Werkes mit verschiedenen in die Handlung integrierten Bal-
letten zurückzuführen. Es handelt sich um ein dramma per musica mit panegyrischem
Hintergrund; mit Parinis Libretto teilt das Textbuch d’Averaras das Thema der Grün-
dung der Stadt Alba einerseits und des Geschlechts der Albani andererseits. Darüber
hinaus kommen die Vorfahren Venus und Aeneas vor, die Ascanius im Traum erschei-
nen und ihm den Weg weisen:9
Zu erwähnen ist des Weiteren Ascanio, ovvero gli odi delusi dal sangue von Antonio
Maria Lucchini gedichtet und von Antonio Lotti vertont.10 Der Text teilt mit dem
Libretto d’Averaras dasselbe Sujet und dessen antike Quellen.
Der venezianische Komponist Antonio Lotti wurde 1717 an den Dresdner Hof
berufen mit dem Auftrag, Opern auf ‚italienischem Niveau‘ zu schreiben. Sein Debüt
gab Lotti im Oktober 1717 mit dem dramma per musica Giove in Argo. Es folgten
1718 Ascanio, ovvero gli odi delusi dal sangue und ein Jahr danach Teofane; letztere
Oper wurde am 13. September 1719 anlässlich der Feierlichkeiten (‚Planetenfeste‘)
für die Hochzeit des sächsischen Kurprinzen Friedrich August (des späteren Königs
August III. von Polen) mit der Erzherzogin Maria Josepha von Österreich (der Toch-
ter Kaiser Josephs I.) mit den berühmtesten Virtuosen der damaligen Zeit (Vittoria
Tesi, Margherita Durastanti und Senesino) uraufgeführt. Im Rahmen der Feierlich-
keiten wurden die bereits 1717 und 1718 entstandenen Werke Giove in Argo (3. Sep-
tember 1719) und Ascanio (7. September 1719) wiederholt; Ascanio zeichnet sich in
der Musik Lottis durch einen höheren Repräsentationscharakter aus. Mit Julo Ascanio
Re d’Alba und Enea e Ascanio ergibt sich ein konkreterer Lobpreis der habsburgischen
Dynastie: Julo Ascanio Re d’Alba ist ein kleindimensioniertes Werk in einem Akt von
Pietro Antonio Bernardoni und Johann Joseph Fux11, das zum Namenstag von Kaiser
Joseph I. am 19. März 1708 uraufgeführt wurde.12 Die fünf Personen der Handlung
sind: Ascanio, re d’Alba (Alt-Kastrat); Evandro, principe arcade ricoverato in Italia
sul monte Palatino (Bass); Carmenta, madre di Evandro (Sopran); Emilia, sorella
di Evandro destinata sposa ad Ascanio (Sopran) und Teucro, confidente di Ascanio
(Tenor).
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918