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Selbstdarstellung und höfische Repräsentation 129
Iride
[…] A te destina
la bella dea, che su le stelle impera,
Ebe compagna, Ebe, del cielo, del mondo
amore e fregio. Il minor vanto in lei
è la stirpe immortal. Tutti a formarla
gareggiarono i numi, e i propri doni
ciascuno a lei comunicò clemente.
Ha di Pallade in mente
tutto il saper raccolto,
ha nel core Aretéa, Venere in volto.
Da questo in ciel formato
nodo che stringerà la coppia eletta,
la sua felicità la terra aspetta. Iris
[…] Die schöne Göttin, die über die
Sterne herrscht, bestimmt für dich
Hebe als Gefährtin; Hebe ist die Liebe
und der Stolz des Himmels und der
Welt. Ihre geringste Tugend ist das
unsterbliche Geschlecht. Die Götter
haben sich um ihre Entstehung gestrit-
ten, und jeder Gott hat sie mit Tugen-
den beschenkt.
Sie hat im Geist der Pallas
alles Wissen in sich vereint, sie hat das
Herz der Aretea und das Antlitz der
Venus.
Die Welt erwartet ihre Freude von die-
sem
im Himmel bestimmten Band, wel-
ches das erlesene Paar miteinander ver-
bindet.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich die Anspielung auf die Hochzeit erst im
Schlusschor findet. Der Anlass des Auftrags ist nicht der Kern des Librettos, wie zum
Beispiel bei Ascanio in Alba, wo die ganze Handlung um das Thema der versteckten
Liebe zwischen Ascanio und Silvia gebaut wird.
Alcide al bivio kann man, wie Metastasio in einem Brief schrieb, als festa morale
deuten: Die moralische Lehre ist das formgebende Prinzip des Werkes. Die letzte Re-
gieanweisung verdeutlicht die Botschaft des Textes: „la concordia del Piacere e della
Virtù“ (Der Einklang von Lust und Tugend):
„Nel tempo dell’antecedente coro si dilegua l’arco celeste e seco Iride ed il suo
corteggio. Finalmente i felici abitatori del tempio della Gloria, esprimendo in
un ballo la concordia del Piacere e della Virtù, danno compimento alla festa.“23
Alcide wendet sich sofort an die Tugend unter der Regieanweisung „prorompe con
trasporto di gioia“ und nennt Aretéa „la madre mia“ [„meine Mutter“]. Wie später
noch deutlich wird, ist Aretéa die mythologische Entsprechung der Kaiserin Maria
Theresia (eine weitere Ehrerbietung wird so erfüllt):
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918