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Selbstdarstellung und höfische Repräsentation 133
13 Der Handlungsverlauf verzichtet auf Verwicklungen und schreitet geradlinig fort: Ascanio hat den
arkadischen Prinzen Evandro besiegt und das Reich von Alba gegründet, doch liebt er Evandros
Schwester Emilia. Aus Liebe entscheidet er sich, Evandro das Reich zurückzugeben. Emilia, die zwi-
schen Stolz und Liebe für Ascanio schwankt, willigt nach der Zustimmung ihres Bruders Evandro
und ihrer Mutter Carmenta doch in die Hochzeit mit Ascanio ein. Der Konflikt zwischen Pflicht
und Liebe wird gelöst und das zukünftige Geschlecht gerühmt.
14 Das Libretto zu diesem Werk fehlt. Alle vorliegenden Zitate beziehen sich auf die Einrichtung des
Texts durch Leopold Ergens (Vorwort zu Johann Joseph Fux’ Julo Ascanio, Re d’Alba, hg. v. Hellmut
Federhofer, Graz 1962, 183–185). Die metrische Gliederung der Verse musste anhand der Partitur
rekonstruiert werden; die Orthographie wurde den heute gültigen Regeln angepasst und vor allem
die Großschreibung wesentlich eingeschränkt.
15 Enea e Ascanio wird auf dem Titelblatt als „componimento per musica“, dagegen am Anfang des Textes
als „cantata“ bezeichnet. Zu dieser Zeit war die Terminologie fluktuierend; Bezeichnungen wie com-
ponimento per musica, cantata da camera oder drammatico componimento beziehen sich, in der Regel,
auf ein Werk geringen Umfangs, das zumeist in den privaten Räumen des Hofpalasts gespielt wurde.
Libretto für die Aufführung im März oder April 1764 in Frankfurt am Main (Wien, Stadtbibliothek,
E 95 084); Titelblatt des Librettos (Textdichter unbekannt): ENEA, E ASCANIO. / COMPONI-
MENTO PER MUSICA DA CANTARSI / IN FRANCFORT ALL’INCORONAZIONE / DI
GIUSEPPE D’AUSTRIA / RE DE’ ROMANI/ ALLA PRESENZA / DI SUA MAESTÀ IMPE-
RIALE / IN VIENNA / Nella Stamperia di Ghelen 1764.
Faksimile in: Christoph Willibald Gluck. Sämtliche Werke. VII. Supplement, Band 1, Libretti, hg. v.
Klaus Hortschansky, Kassel u. a. c. 1995, 445−447. Die Orthographie wurde von der Verfasserin
den heute gültigen Regeln angepasst. Deutsche Übersetzung von der Verfasserin.
16 Vgl. Christoph Willibald Gluck, Orphée et Euridice, hg. von Ludwig Finscher, Kassel etc. 1967,
XXIV, Anm. 94. (Gluck. Sämtliche Werke. I, 6). Die Handlung: Enea erklärt seinem Sohn Ascanio,
dass er bald zum König gekrönt werde; weigern könne er sich nicht, denn diese Regentschaft komme
aus göttlichem Recht („il regio serto / cenno è del ciel…“). Ascanio ist betrübt über den grausamen
Krieg, der das Volk quält, und beklagt den armseligen Zustand des Reichs in der Arie „Non più
del mar cruccioso“. Enea tröstet ihn, dass bald Friede herrschen werde: Die Göttin Venus habe die
Götter besänftigt und Ascanio zum König bestimmt (Enea: „Disse che ognor si serba“). Ascanio,
beruhigt und ermutigt von den Worten der Venus, äußert seine Absicht, für sein Volk zu kämpfen;
aber Enea warnt ihn vor einem blutigen Krieg. Stattdessen muss er seinem Volk den Frieden sichern.
Die Vorfahren werden ihm dafür Vorbild sein.
17 Huldigungstexte (feste teatrali, azioni teatrali, componimenti drammatici, complimenti, cantate) be-
gleiten sein ganzes Leben als Dramaturg und Hofdichter (1731–1767) und sind sehr differenziert:
Neben großen feste teatrali, die für eine Aufführung im Theater zu wichtigen politischen Ereignissen
bestimmt waren, stehen kleine und intime Libretti zu Kompositionen, deren Bühnenrollen manch-
mal von den Mitgliedern der kaiserlichen Familie selbst dargeboten wurden. Vor seiner Berufung
nach Wien als Hofdichter schrieb Metastasio in Neapel die folgenden azioni teatrali: Endimione
(1720), Gli orti esperidi (1721), Angelica (1722), Galatea (1722); 1729 wurde in Rom La contesa
de’ numi aufgeführt. Vgl. dazu: Jacques Joly, Les fêtes théâtrales de Métastase à la cour de Vienne
(1731‒1767), Paris 1978; Guido Nicastro, Temi e forme nelle serenate di Pietro Metastasio, in:
Niccolò Maccavino (Hg.), La serenata tra Seicento e Settecento: musica, poesia, scenotecnica, Bd.
I, Reggio Calabria 2007, 237‒246; Andrea Chegai, Configurazione scenica e assetto drammatico
nelle feste teatrali del Metastasio, in: Annarita Colturato/Andrea Merlotti (Hg.), La festa teatrale
nel Settecento. Dalla corte di Vienna alle corti d’Italia, Lucca 2012.
18 Vgl. dazu: Elisabeth Theresia Hilscher, Antike Mythologie und Habsburgischer Tugendkodex. Me-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918