Seite - 140 - in Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Bild der Seite - 140 -
Text der Seite - 140 -
140 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
hatten damals die tyrannische königliche Dynastie der Tarquinier vertrieben und da-
nach die Republik ausgerufen, die von zwei Konsuln und einem Senat regiert wurde.
Der vertriebene Thronfolger Titus Tarquinius (Tarquinio) versuchte sein Erbe mit-
hilfe des etruskischen Königs Porsenna wieder zu gewinnen, doch ohne Erfolg. Die
Handlung der Prager festa teatrale spielt sich am letzten Tag der Belagerung Roms ab,
der zugleich der Geburtstag der römischen Schutzgöttin Vesta ist. König Porsenna
will die Stadt am Anfang des ersten Aufzugs mit Gewalt erobern, wird jedoch durch
den plötzlich aufgetauchten Flussgott Tiber (Tevere), der zum ersten Mal auf Vestas
Geburtstag aufmerksam macht, zurückgehalten. Deshalb entscheidet sich Porsenna,
die Stadt friedlich für Tarquinio zu gewinnen, und zwar durch zwei Eheschließungen.
Er selbst will Valeria, eine Tochter des römischen Konsuls Publio Valerio, heiraten,
Tarquinio wiederum sehnt sich nach der vornehmen römischen Jungfrau Clelia. Die
Römer lehnen jedoch diesen durch königliche Trauungen erkauften Frieden ab. Sie
bevorzugen stattdessen einen Kampf um die Freiheit, da die Göttin Vesta, der Gott
Giove (Jupiter) und vor allem die römischen Tugenden Beständigkeit (costanza) und
Stärke (fortezza) ihnen beistehen.
In der Handlung lässt sich die Wirkung der beiden Tugenden in den tapferen
Taten der einzelnen Römer (des Konsuls Publio Valerio, seiner Tochter Valeria und
seines Sohnes Erminio, Clelia sowie der Helden Muzio und Orazio) und in deren
einmütigen Stellungnahmen beobachten – besonders bei der beiden Jungfrauen
Valeria und Clelia, die ihren römischen Verlobten Muzio und Orazio treu bleiben.
König Porsenna, der im zweiten Aufzug selbst von Vesta aus tödlicher Gefahr gerettet
wird, bewundert die Stärke und Beständigkeit der Römer und verwandelt sich
allmählich vom Feind zum Freund der Römer. Zum Schluss, als der Konsul im Namen
des römischen Volkes und Senats die Friedensbedingungen (die Thronbesteigung
Tarquinios und die zwei königlichen Eheschließungen) nicht akzeptiert, liegt die
Entscheidung zwischen Krieg und Frieden an dem etruskischen König. Porsenna
wählt den Frieden, kehrt sich vom wortbrüchigen Tarquinio ab und beugt sich
der Göttin Vesta und beiden römischen Tugenden. So bewahrt die Stadt Rom ihre
Freiheit. In der Licenza wird dann die wahre Identität der Göttin Vesta als Elisabeth
Christine und der Stadt Rom als Prag enthüllt.
Eine auf ersten Blick merkwürdige Tatsache ist, dass in diesem am Vorabend
der königlichen Krönung aufgeführten Werk eine freie Republik gepriesen wird,
des Weiteren, dass der legitime Thronfolger sogar um sein Erbe kommt und zwei
königliche Trauungen zunichte gemacht werden. Das alles lässt sich hinsichtlich
der oben geschilderten dynastisch-politischen Situation und bezüglich des oben
erwähnten Postulats von Andreas Gugler als eine allegorisch dargestellte Verteidigung
der ‚Pragmatischen Sanktion‘ interpretieren. Der Machthaber in der römischen
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918