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Venga quel dì felice! 141
Republik kann kein absolutistischer Monarch sein, sondern nur der Konsul Publio
Valerio als gewählter Verwalter, da nur die Göttin Vesta gemeinsam mit Jupiter die
wahren Herrscher der Republik sind, die die Freiheit gewährleisten. Dieselbe Freiheit
könnte auch für die Länder der böhmischen Krone bzw. für die ganze Monarchie
gesichert werden, solange sie ungetrennt unter der Herrschaft Habsburgs bleibt. In
Costanza e Fortezza wollen die Römer den Frieden mit den Etruskern keinesfalls mit
Trauungen erkaufen. Im Libretto wird sogar ausdrücklich erwähnt, dass das römische
Blut zur Fortpflanzung der Tyrannen nicht bestimmt sei („Il nostro sangue servir non
puote a propagar tiranni“) und dass die römischen Töchter den fremden Königen
keine Erbfolger gebären dürfen („Figlie Romane dar non denno gli eredi a Re
stranieri“).8 Dies lässt sich im Zusammenhang mit oben erwähnten diplomatischen
Verhandlungen über die möglichen künftigen Eheschließungen der zwei Töchter
Karls VI. deuten. Die am Ende des dritten Aufzugs an König Porsenna gerichtete
Herausforderung des Konsuls „in tua man sta la pace e sta la guerra“ (In deiner Hand
liegen Krieg und Frieden) war also weniger an den etruskischen König als vielmehr
an reale oder potenzielle Bewerber um die habsburgischen Erbländer gerichtet. Der
ohne Blutvergießen zustande kommende römische Sieg ist ebenfalls ein Sieg der
Pragmatischen Sanktion. Das Kaiserpaar ist während der ganzen Handlung durch
Personifizierungen und Symbole präsent: Elisabeth Christine als Vesta und Karl VI.
hauptsächlich in seinen zwei Leittugenden Costanza und Fortezza (obwohl auch
einige Merkmale in der Figur von Publio Valerio oder des verhüllten Gottes Jupiter
auf ihn verweisen).
Die musikalische Bearbeitung des Werkes musste in diesem Falle an die Auffüh-
rungs bedingungen und die daraus folgende große Besetzung angepasst werden: Im
Amphitheater traten etwa 100 Sänger auf der Bühne auf und etwa 200 Musiker
spielten im Orchester – wie die Sänger (Gaetano Orsini, Christoph Praun, Fran-
cesco Borosini, Gaetano Borghi, Rosa Borosini, Anna d’Ambreville u. a.) und Ins-
tru mentalisten der kaiserlichen Hofmusikkapelle, auch Musiker aus Prag oder
ausländische Musiker wie Johann Joachim Quantz.9 Wichtige dramatische Rollen
übernahmen nicht nur die Solisten, sondern auch die Chöre der Römer und der
Etrusker. Zur Begleitung von Chorauftritten wie auch von Solo-Arien setzte Fux
(wieder mit Rücksicht auf das geräumige Amphitheater) keine Soloinstrumente,
sondern meistens das vollstimmige, mit Oboen- und Fagottstimmen verstärkte
Streicherensemble ein: zwei Violinstimmen (geteilt oder unisono), eine Violastimme
und Bassi. Auch der doppelte Trompetenchor mit Pauken ist von großer Bedeutung,
sowohl in der einleitenden Sinfonia (wie es übrigens alljährlich an diesem Galatag
üblich war) als auch in der Handlung. Am Anfang der festa teatrale begleiten
Trompeten die mächtigeren Etrusker, am Ende dagegen gehört ihr triumphaler Klang
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918