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146 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
ganze Welt den Frieden erfahren werde. Auch der Kriegsgott Mars besingt unerwartet
den Frieden und schmückt seine Trompete mit Blumen. Er ist jedoch vorbereitet, für
den Kaiser zu kämpfen und die Trompete dann mit Lorbeer zu schmücken. Saturn
besingt in einer Arie (Pari a quella il Mondo vede) auch die kaiserlichen Töchter, die
die Tugenden von ihrer Mutter erben werden, und natürlich den kaiserlichen Sohn,
der einmal so tapfer, gerecht, mild und gut wie sein Vater sein würde. Da aber die
Tugenden der Kaiserin Elisa (Unschuld, Mitleid, Bescheidenheit, Frömmigkeit, Lie-
benswürdigkeit und auch Schönheit) den Schwerpunkt dieser Serenata (neben der
glücklichen Erwartung) bilden, sind hier die Arien hauptsächlich durch die reich
verzierte Melodik in den Vokal- und Instrumentalstimmen gekennzeichnet. Dies gilt
auch für die zweite Arienreihe, in der Karl VI. mit dem erwarteten Thronerben ge-
priesen wird. Die Solo-Arien sind meistens nur mit Streicherensemble (das wegen
der Aufführung im Freien sicher stärker besetzt wurde) begleitet, wobei ausschließ-
lich der Götterherrscher Jupiter das Privilegium hat, eine Arie zu singen, in der sich
die Streicher mit zwei Oboen und Fagott abwechseln (A la bontade e’ al merto). Der
Kriegsgott Mars singt wiederum seine friedenslobende Arie (Da mia Tromba quel bel
Nome) mit Trompetenbegleitung. Da er über Pflanzen und Blumen singt, hat diese
Arie einen mehr galanten als triumphalen oder kriegerischen Charakter.
Nach dem zweitägigen Aufenthalt in Znaim endete die Krönungsreise mit der
Rückkehr nach Wien am 23. November 1723. Kurz danach, vermutlich am 25.
November, nachdem im Stephansdom eine Votivmesse und ein Te Deum abgehal-
ten worden waren, konnte bei Hof auch die kantatenförmige Serenata Il bel Genio
dell’Austria ed il Fato von Carlo Agostino Badia erklingen.15 Die zwei im Titel er-
wähnten Figuren, Genio dell’Austria und Fato, treten hier auf. In der erhaltenen
Partitur fehlt eine einleitende Sinfonia. Die Serenata beginnt also mit einem Duett,
dann folgen vier Solo-Arien und ein abschließendes Duett. Die Arien werden vom
Streicherensemble begleitet und in den Duetten am Anfang und zum Schluss mit der
Trompete ergänzt. Im Libretto werden Karl VI. und Elisabeth Christine gemeinsam
gepriesen. Der Genius besingt den ruhmreichen Kaiser, der als der irdische Mars
und die römische Sonne an der Moldau die neuen Lorbeeren erhielt, während Fato
wiederum betont, dass die schöne Elisa einen neuen römischen König mitbringt, mit
dem ein goldenes Zeitalter beginnen wird. Der Höhepunkt der Serenata kommt im
Rezitativ des Fato, das eine Prophezeiung ausspricht: Das Erzhaus Habsburg wird
sich durch mehrere Nachkommen in den nächsten Jahrhunderten weiter entfalten,
die Helden aus diesem Geschlecht werden über die Heiden siegen und auch das
Grab Christi erobern. Zum Schluss sprechen die beiden Figuren die Göttin Fama
an, damit sie den Ruhm von Karl und Elisa und deren Nachkommen der ganzen
Welt verkünde (Corri, vola). Die abwesende Göttin ist hier durch den Klang der So-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918