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Venga quel dì felice! 147
lo-Trompete vertreten. Die Hoffnungen des Kaiserpaars und der ganzen Monarchie
auf einen männlichen Erbfolger sollten sich jedoch nicht erfüllen: Am 5. April 1724
kam ein letztes Kind des Kaiserpaars, die Erzherzogin Maria Amalia, zur Welt.
An dieser Stelle soll die Aufmerksamkeit auf einige gemeinsame Grundzügen der
betrachteten Werke gelenkt werden. Am wichtigsten ist sicherlich die Repräsentation
des Kaisers und seiner Tugenden durch Emblematik und Personifikationen: Sie lässt
sich besonders in Gestalt des Götterherrschers Jupiter erkennen, vor allem in La
Contesa de’ Numi und in La Concordia de’ Pianeti. Dagegen ist in Il Trionfo della Fama
der mächtige Herrscher in der Figur von Valore verkörpert. In Costanza e Fortezza ist
Karl VI. durch seine zwei Leittugenden anwesend, personifiziert durch die um ihre
Freiheit kämpfenden Römer. Hier wird im Libretto ebenso Jupiter als der höchste
Herrscher Roms erwähnt. Auch die in den Libretti erwähnten kaiserlichen Tugen-
den Karls VI. besaßen in diesen Werken, als Abbildungen sui generis, eine vornehme
Stelle: Tapferkeit, Stärke, Beständigkeit, Ruhm, Erhabenheit, Weisheit, Milde und
Güte.
Den einzelnen Personifikationen und Tugenden nach unterscheiden sich die So-
lo-Arien in den untersuchten Werken grundsätzlich in ihrer musikalischen Bearbei-
tung. In Costanza e Fortezza erscheinen fast ausschließlich die dramatischen Arien,
die die Gefühle und innere Bewegungen der handelnden Figuren darstellen. Nur in
einer Arie werden die Herrschertugenden hervorgehoben: Der Römer Muzio zählt
diese Tugenden (gerechte Milde, reine Unschuld und fromme Güte) auf und stellt
fest, dass Tarquinio diese eben nicht besitzt und daher die Römer nicht regieren
kann. Für unseren Zweck sind jedoch die Huldigungsarien von besonderem Inte-
resse. Den einzelnen vertonten Tugenden und Eigenschaften nach lassen sich die
Arien für Karl VI. in zwei Typen unterscheiden: Arie ‚arte‘ und Arie ‚marte‘. Für diese
Systematisierung war die in der Programmatik des Imperialstils verwendete Devise
arte et marte grundlegend. Sie bringt ein Herrscherideal, wie durch Wissenschaft und
Kriegskunst zu regieren sei, zum Ausdruck, das in der Programmatik durch einige
Vorbilder personifiziert wird: durch den Kriegsgott Mars, Cäsar und hauptsächlich
Herkules, bzw. Hercules Musarum, eine für Karl VI. spezifischer Anspielung.16
Ein typisches Beispiel für die ‚Arie arte‘ ist die Arie Apollos Lascio la cetra e l’arco
(Ich verlasse die Lyra und den Bogen) von Caldara mit konzertierender Oboe solo
und stark verzierter Melodie in La Contesa de’ Numi zu erwähnen. In dieser Arie un-
terwirft sich der Sonnengott und Musagetes dem Kaiser, verlässt die Lyra und Bogen,
da er aus dem königlichen Hand Karls VI. größeren Ruhm, einen Bogen und Pfeile,
erhalten werde.
In den Arien marte sind dagegen Macht, Tapferkeit, Kampf oder Ruhm betont, sie
weisen allerdings eine nicht weniger virtuose Bearbeitung auf. Für diese Arien sind
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918