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154 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
Welche Merkmale könnten in diesen Werken auf den ‚Imperialstil‘ verweisen? Wie
Friedrich Wilhelm Riedel richtig bemerkte, war – was die theatralische Musik betrifft
– „die Beziehung zur Ideenwelt des ‚cäsarisch-imperialen‘ Stils bereits durch den Text
vorgegeben“.18 In der Musik ist es selbstverständlich problematisch, nur anhand von
Einzelheiten, wie der Stilarten, des Tonsatzes oder anderer Details, direkt auf einen
‚Imperialstil‘ zu schließen oder diese als Zeichen davon zu betrachten. Eher sollte es
sich um eine Text- und musikalische Analyse der vertonten Arien im Kontext des
für eine spezielle Gelegenheit bestimmten Werks – das außerdem in einer konkreten
dynastisch-politischen Situation zu kontextualisieren ist – handeln. Dies führt
zwangsläufig zu einer Synthese der einzelnen Elemente.19
Von diesen Elementen hebt Riedel als „die besten Mittel zur Verdeutlichung von
Inhalt und Ausdrucksgehalt der Werke“ besonders „musikalisch-rhetorische Figuren,
Affektfiguren und die da-capo-Form“ hervor.20 Dieser Ansatz lässt sich aufgrund
der Analyse der konkreten Werke bestätigen; dazu muss aber betont werden, dass
sich der Bestimmung des Werks nach (für den Kaiser oder für die Kaiserin) die
Verwendung dieser Figuren sehr unterscheidet. Ebenso müssen nicht nur die in den
Singstimmen verwendeten Figuren, sondern auch die Verwendung von spezifischen
instrumentalen Idiomen oder die Kombinationen verschiedener Klangfarben der
begleitenden oder konzertierenden Instrumente als Figuren sui generis in Betracht
gezogen werden.21 Eine vorrangige Stelle unter den Musikinstrumenten gehört dank
ihrer repräsentativen Bestimmung den Trompeten und Pauken, deren Bedeutung in
den Sinfonien zu den wichtigsten Galatagen schon A. Peter Brown betont hatte.22
Jedoch nicht nur die Anwesenheit oder die Absenz dieser Instrumente, sondern auch
ihre typische Melodik, auch wenn sie in ihrer Abwesenheit in anderen Stimmen
erklingt, müssen als signifikant betrachtet werden.
Als ein zweites Element kommt der kontrapunktische Satz in Betracht. Riedel
hatte im Jahre 1962 auf „auffallende Parallelen“ und die „geistige Verwandtschaft“
zwischen dem Kontrapunktiker Johann Joseph Fux und dem Architekten Johann
Bernhard Fischer von Erlach hingewiesen, die sich „besonders in ihren bewußt
historisch orientierten Lehr- und Demonstrationswerken“ (Fux’ Gradus ad Parnassum
und Fischers Entwurff Einer Historischen Architektur) zeige.23 Aufgrund dieser These
kann der kontrapunktische Satz – mit bestimmten Texten verbunden oder in
charakteristischen Kontexten eingesetzt – ebenfalls als ein Zeichen oder eine Figur
sui generis auftreten.24
Um das dritte und letzte Element zu beschreiben, ist hier eine These von Dagmar
Glüxam zu erwähnen, nach der die Virtuosität exklusiv für den Kaiser reserviert sei,
als ein „Mittel zu Hervorhebung der Einzigartigkeit des Herrschers“.25 Die These
lässt sich besonders anhand der oben genannten virtuosen Arien in den Serenaten
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918