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160 Sektion II: Herrscher, Staat, Nation
Ordnung ergeben hat, die zwar Spezifik als ihre kennzeichnende Eigenschaft postu-
lierte, aber wesentliche Elemente von der Rhetorik herrschaftlicher Repräsentation
übernahm. Es ist diese bereits angesprochene Verwendung derselben allegorischen
und metaphorischen Argumentationen, die seitdem bisweilen eine eindeutige Zuord-
nung politischer Repräsentationskunst erschwerte – besonders im komplexen Kon-
text der Habsburgermonarchie.
National und Supranational
Die Heterogenität und Diversitäten der Habsburgermonarchie stellten nicht nur ein
im Laufe des 19. Jahrhunderts immer dynamischer werdendes Konfliktpotential dar,
sondern verunmöglichten die Ausbildung einer nationalstaatlichen Identität. An de-
ren Stelle trat ein Corporate Design, das die habsburgische Herrschaft zur Instanz
über den binnennationalen Fraktalen der Monarchie deklarierte. Obwohl dies als
Versuch verstanden werden kann, eine pragmatische Entsprechung zur Ideologie der
Nation zu schaffen, sollte es nicht als Bruch mit ihr gewertet sein, insofern nationale
Idiomatik (im übertragenen Sinne) durchaus in die herrschaftliche Inkarnation inte-
griert wurde und damit eine jeweils partikulare ‚Nationalisierung‘ der Souveränität
erzielt werden konnte. Die simultane Identifizierung als supranational und national
bleibt eine Eigenart habsburgischer Repräsentation, auch deshalb, weil sie gleicher-
maßen als sinnlich oktroyierte Ordnung und als unterschiedlich motivierte Loyali-
tätsbekundung geschah.
Stil und die Semantik des Imperialen
Vor dem Hintergrund, dass Verkörperung die fundamentale Metapher des Staat-
lichen ist3, betrifft ein anderes diesbezügliches Forschungsproblem die bereits wieder-
holt diskutierte Frage, welche Rolle abstraktere Formen im Akt der Repräsentation
Habsburgs spielten, die die nicht auf der Person des Herrschers (seinem Amtskörper
und physischen Körper sowie seiner fama) beruhten. Oder anders ausgedrückt: ob
sich die Idee des habsburgischen Staates rein mittels Stil kommunizieren ließ, eines
Stils, der mit seinem Referenzieren auf die klassische Antike im Sinne der translatio
imperii eine Allgemeingültigkeit des Kaiserlichen suggerieren sollte.
Die Beiträge
Die folgenden drei Artikel thematisieren dynastische, staatliche und nationale Re-
präsentationen als Abbild obrigkeitlicher Macht bzw. als Vorstellung von den Aufga-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918