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162 Sektion II: Herrscher, Staat, Nation
Andrea Baotić-Rustanbegović zeigt den ‚Zugriff von oben‘. Sie thematisiert,
wie der habsburgische Staat als neue Staatsmacht in Bosnien-Herzegowina öffent-
liche Räume mit unterschiedlicher Zugänglichkeit mit Monumenten besetzte, und
sie zeigt, wie sich dieser Zugriff im Lauf der historischen politischen Entwicklung
von der Okkupationsphase, während der Annexion bis hin zur Phase des Ersten
Weltkriegs änderte: von einem „behutsamen Vortasten“ in der Okkupationsphase
Bosnien-Herzegowinas bis hin zum offenen Auftreten selbst nicht-lokaler Religi-
onsgruppen und zur Vorstellung, dass die Macht in der habsburgischen Monarchie
aus der Verbindung von Dynastie, Armee und (katholischer) Kirche bestehe, in der
Krisen zeit des Ersten Weltkriegs. Indem man anfangs auf lokale kulturelle und poli-
tische Verhältnisse eingehen und Politik öffentlich vermitteln wollte (oder musste),
zeigen sich diese Denkmäler nicht prinzipiell als „Zeugnis gesicherter Herrschaft“,
sondern vielmehr als „Instrument zu deren Stabilisierung“.4 Baotić-Rustanbegović
zeigt, wie sich der Aktionsradius, um Denkmäler aufzustellen, sowohl geographisch
als auch inhaltlich und formal kontinuierlich erweiterte: von den grenznahen Regio-
nen bis hin über das gesamte Land, von der schrittweisen Einführung von Abbildern
des Kaisers in der abbildlosen Tradition der ehemals osmanischen Provinz Bosni-
en-Herzegowina bis hin zur figürlichen Monumentalplastik des Herrschers und der
thematischen Fokussierung auf das Sarajevo-Attentat infolge des 1. Weltkriegs, von
einfachen stereometrischen Objekten hin zur Gestaltung ganzer Architekturanlagen
mit Denkmälern der neuen, inzwischen definitiven habsburgischen Herrschaft in der
Annexionsphase. In diesen Monumenten erfüllte sich auch ein (westlich aufgefasster)
zivilisatorischer Auftrag, nicht zuletzt in der Wahl (westlicher) ‚akademischer‘ Stile
für die Monumente, der die Aufgabe verfolgte, die Modernisierung eines ‚zutiefst
orientalischen Lands‘ voranzutreiben. Dabei sollten nationale Konfliktpotentiale ver-
mieden werden – weshalb etwa Denkmäler für lokale Größen nicht, solche für die
verdienstvolle habsburgische Armee allerdings sehr wohl errichtet wurden. Erreicht
werden sollte ein Ausdruck der noch jungen Loyalität gegenüber der neuen Herr-
scherdynastie und der Zusammengehörigkeit der Bevölkerung bzw. der Einheit der
habsburgischen Unter tanen bei allen religiösen, nationalen und kulturellen Unter-
schieden. Wie wenig dieses Konzept in der Bevölkerung verankert war, sondern ne-
ben den staatlichen Auftraggebern von kleinen, lokalen Elite-Kreisen und gegenüber
Habsburg loyalen Zirkeln abhing, zeigt das schnelle Verschwinden habsburgischer
Denkmäler nach 1918.
Im Gegensatz dazu thematisiert Nataša Ivanovićs Beitrag, wie Staatsmacht ‚von
unten‘, von den beherrschten Untertanen bzw. ihrer kommunalen Vertretung auf-
gefasst wurde. Ihr Beispiel Ljubljana demonstriert, wie nationales Selbstbewusstsein
letztlich mit Forderungen an den Herrscher verbunden sein konnte. Der Fokus liegt
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918