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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Seite - 163 -
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Sektion II: Herrscher, Staat, Nation 163 auf einem Gemäldepaar, das für das Laibacher Rathaus innerhalb eines kurzen Zeit- raums entstand. Die Zahl der verantwortlichen Personen wie etwa Auftraggeber, Ideen geber, Ausführende etc. bewegt sich daher in einem entsprechend engen Rah- men bzw. fokussiert auf die zentrale Figur des von 1896 bis 1910 amtierenden Laiba- cher Bürgermeisters Ivan Hribar, der auch die Wahl der beiden Künstler, Josip Germ und Ivana Kobilca, traf. Die Ausgangslage war grundsätzlich verschieden, handelte es sich doch nicht wie in Bosnien-Herzegowina um ein Land mit vielen verschiedenen Subeinheiten, aber klaren Grenzen, sondern, weil die ‚slowenische Nation‘ nicht auf ein Kronland beschränkt, sondern auf drei Länder verteilt war, um die Suche nach ei- ner Gemeinsamkeit, in der die Stadt Ljubljana/Laibach zur Integrationsfigur wurde. Daher ist auch der Hintergrund der behandelten Kunstaufträge ein anderer als in Bos- nien-Herzegowina und entfaltet eine andere Wirkkraft, indem die Frage dynastischer Repräsentation hier vor dem Hintergrund der ‚Slowenisierung‘ behandelt werden muss, die besonders in der Stadt Laibach und der Aufwertung und Angleichung ihrer urbanen Struktur an das zeitgenössische Niveau städtischer Zentren eine spezielle Aufgabe sah. Während Ivanović die Akteure auf Kobilcas Allegorie treffend als ideal bezeichnet, werden die (real existierenden) Personen auf Germs Gemälde in einem so fragilen und in seiner physischen Realität fragwürdigen Setting präsentiert, dass sie disputabel werden. Der zentral thronenden Verkörperung der Ljubljana bei Kobilca steht die inferiore, lediglich farblich hervorgehobene Position Kaiser Franz Josephs bei Germ gegenüber. Zusätzlich werden lokale Ereignisse bzw. ihre Darstellung zu einem Demonstrationsraum von Forderungen an die Politik: Den unmittelbar nach dem traumatisierenden Erdbeben in Laibach 1895 stattgefundenen Kaiserbesuch verlegte Germ an einen fiktiven Ort, nämlich vor das Laibacher Rathaus, in dem dieses Kunstwerk auch aufgestellt wurde und das mit Hilfe eben dieses Gemäldes als zentraler Ort slowenischer politischer Identität interpretiert werden konnte. Durch diesen Auftrag für die Kommune und durch die gezielte Manipulation des abgebilde- ten Stadtraums durch den Maler traten der Auftraggeber und seine Amtskollegen im Laibacher Rathaus mit ihren politischen Anliegen hervor gegenüber der dynastischen Repräsentation des Staatsoberhaupts. Angesichts der Erdbebenschäden musste der Kaiser auf Besuch zwangsläufig reagieren – und das sollte er, angesichts des maleri- schen Pendants von Kobilca, auch im Bezug auf die slowenische Nation tun. Timo Hagen stellt einen Monumentbereich, nämlich militärische Bauten im Siebenbürgischen Hermannstadt, vor, innerhalb dessen möglichst wenige formale, ikonographische etc. Anhaltspunkte für etwaige nationale, individuelle, politische, religiöse etc. Interpretationen und Vereinnahmungen bestehen und die realisierten Monumente daher nicht indikativ sein sollten. Diese zunächst neutral scheinende Haltung war wohl auch in der speziellen Zusammensetzung der Bauherren bzw. Auf-
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Titel
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Untertitel
1618–1918
Herausgeber
Werner Telesko
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
448
Kategorien
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