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Sektion II: Herrscher, Staat, Nation 163
auf einem Gemäldepaar, das für das Laibacher Rathaus innerhalb eines kurzen Zeit-
raums entstand. Die Zahl der verantwortlichen Personen wie etwa Auftraggeber,
Ideen geber, Ausführende etc. bewegt sich daher in einem entsprechend engen Rah-
men bzw. fokussiert auf die zentrale Figur des von 1896 bis 1910 amtierenden Laiba-
cher Bürgermeisters Ivan Hribar, der auch die Wahl der beiden Künstler, Josip Germ
und Ivana Kobilca, traf. Die Ausgangslage war grundsätzlich verschieden, handelte es
sich doch nicht wie in Bosnien-Herzegowina um ein Land mit vielen verschiedenen
Subeinheiten, aber klaren Grenzen, sondern, weil die ‚slowenische Nation‘ nicht auf
ein Kronland beschränkt, sondern auf drei Länder verteilt war, um die Suche nach ei-
ner Gemeinsamkeit, in der die Stadt Ljubljana/Laibach zur Integrationsfigur wurde.
Daher ist auch der Hintergrund der behandelten Kunstaufträge ein anderer als in Bos-
nien-Herzegowina und entfaltet eine andere Wirkkraft, indem die Frage dynastischer
Repräsentation hier vor dem Hintergrund der ‚Slowenisierung‘ behandelt werden
muss, die besonders in der Stadt Laibach und der Aufwertung und Angleichung ihrer
urbanen Struktur an das zeitgenössische Niveau städtischer Zentren eine spezielle
Aufgabe sah. Während Ivanović die Akteure auf Kobilcas Allegorie treffend als ideal
bezeichnet, werden die (real existierenden) Personen auf Germs Gemälde in einem so
fragilen und in seiner physischen Realität fragwürdigen Setting präsentiert, dass sie
disputabel werden. Der zentral thronenden Verkörperung der Ljubljana bei Kobilca
steht die inferiore, lediglich farblich hervorgehobene Position Kaiser Franz Josephs
bei Germ gegenüber. Zusätzlich werden lokale Ereignisse bzw. ihre Darstellung zu
einem Demonstrationsraum von Forderungen an die Politik: Den unmittelbar nach
dem traumatisierenden Erdbeben in Laibach 1895 stattgefundenen Kaiserbesuch
verlegte Germ an einen fiktiven Ort, nämlich vor das Laibacher Rathaus, in dem
dieses Kunstwerk auch aufgestellt wurde und das mit Hilfe eben dieses Gemäldes als
zentraler Ort slowenischer politischer Identität interpretiert werden konnte. Durch
diesen Auftrag für die Kommune und durch die gezielte Manipulation des abgebilde-
ten Stadtraums durch den Maler traten der Auftraggeber und seine Amtskollegen im
Laibacher Rathaus mit ihren politischen Anliegen hervor gegenüber der dynastischen
Repräsentation des Staatsoberhaupts. Angesichts der Erdbebenschäden musste der
Kaiser auf Besuch zwangsläufig reagieren – und das sollte er, angesichts des maleri-
schen Pendants von Kobilca, auch im Bezug auf die slowenische Nation tun.
Timo Hagen stellt einen Monumentbereich, nämlich militärische Bauten im
Siebenbürgischen Hermannstadt, vor, innerhalb dessen möglichst wenige formale,
ikonographische etc. Anhaltspunkte für etwaige nationale, individuelle, politische,
religiöse etc. Interpretationen und Vereinnahmungen bestehen und die realisierten
Monumente daher nicht indikativ sein sollten. Diese zunächst neutral scheinende
Haltung war wohl auch in der speziellen Zusammensetzung der Bauherren bzw. Auf-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Titel
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Untertitel
- 1618–1918
- Herausgeber
- Werner Telesko
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 448
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918